ProSiebenSat.1- Eigentümer Saban: Kein Verständnis für den deutschen TV-Markt

31. Oktober 2003, 14:31
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Kritik an Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Sender - Keine Details zu zukünftigen Strategien für Senderfamilie

Als relativer Newcomer in der deutschen Medienbranche hat Haim Saban, neuer Mehrheitseigentümer der ProSiebenSat1-Gruppe, wenig Verständnis für den Fernsehmarkt. Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt bei den Medientagen München kritisierte er, dass sich die öffentlich-rechtlichen Sender sowohl durch Gebühren als auch Werbeeinnahmen finanzieren können. "Da herrschen klare und gefährliche doppelte Standards", so der Medienunternehmer.

Kritik an Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Sender

Es sei nicht zu verstehen, dass die Öffentlich-Rechtlichen Gebühreneinnahmen in der Höhe von 6,2 Mrd. Euro hätten und zusätzlich mehrere hundert Mio. Euro aus Werbung verdienen dürften. Die Privaten dagegen müssten mit vier Mrd. Euro Werbeeinnahmen das Auslangen finden.

Die deutschen Öffentlich-Rechtlichen würden darüber hinaus ohne Konsequenzen Product Placement betreiben, kritisierte Saban. Er appellierte an die Branchenvertreter, sich "freundschaftlich" zusammenzusetzen, "um diese doppelten Standards loszuwerden".

"Konkurrenz wird uns sehen und fühlen"

Details zur Zukunft der Senderfamilie, die Saban nach langem Hin und Her im Sommer übernommen hatte, wollte der US-Milliardär nicht nennen. Er sei aber überzeugt, dass die früher zum Kirch-Imperium gehörende Gruppe noch immer auf "starken Fundamenten" stehe und diese Basis noch verstärkt werden könne. "Die Konkurrenz wird unsere Präsenz in Zukunft sehen und fühlen", so Saban selbstbewusst. Seit 2000 habe ProSiebenSat.1 darunter gelitten, dass das Management stets mit Trouble Shooting beschäftigt gewesen sei und sich daher nicht auf das operative Geschäft konzentrieren konnte. "Da war nur zu erwarten, dass das Unternehmen Anteile sowohl auf dem Sehermarkt als auch in der Werbung verliert." (APA)

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