Anfertigung von neuem Gutachten in Causa Djindjic möglich

23. Oktober 2003, 14:43
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Bodyguard des ermordeten serbischen Premiers glaubt an zweiten Schützen bei Attentat

Belgrad - Der Belgrader Sender B-92 hat am Mittwoch berichtet, dass Kriminalexperten möglicherweise ein neues Gutachten über den Hergang des Attentats auf den serbischen Regierungschef Zoran Djindjic am 12. März dieses Jahres vor dem serbischem Regierungsgebäude anfertigen. Für großes öffentliches Aufsehen hatte vor zwei Tagen der ehemalige Bodyguard von Djindjic, Milan Veruovic (richtig), gesorgt, der gegenüber dem Sender seine Meinung vortrug, dass am Anschlag womöglich zwei Scharfschützen und nicht nur, wie bisher angenommen, einer beteiligt waren. Laut Veruovic wurde Djindjic von einem Scharfschützen erschossen, der sich in einem der Verwaltungsgebäude rechts vom serbischen Regierungsgebäude versteckt hatte.

Rote Barette

Der vermeintliche Mörder von Djindjic, Zvezdan Jovanovic ("Zveki"), ein Angehöriger der Sonderpolizeieinheit "Rote Barette", hatte aus einem Gebäude links vom serbischen Regierungsgebäude auf Djindjic geschossen. Veruovic ist überzeugt, dass Djindjic durch die von Jovanovic abgefeuerten Schüsse getroffen wurde, dass er aber von einem anderen Scharfschützen ermordet werden musste.

Experten uneinig

Der Sender B-92 berichtet unter Berufung auf inoffizielle Quellen, dass sich auch serbische und deutsche Experten, die den Tathergang nach dem Mord analysiert hatten, nicht völlig einig gewesen seien. Gemäß dem Obduktionsbefund kam Djindjic durch ein Geschoss um, das von rechts gekommen war.

In der Causa Djindjic wurden neben Jovanovic weitere 43 Personen, darunter mehrere Polizisten und Angehörige der Mafia-Gruppe aus dem Belgrader Vorort Zemun angeklagt. Der Hauptorganisator des Mordanschlags, der ehemalige Kommandant der "Roten Barette", Milorad Lukovic "Legija", ist auf der Flucht. Über die Auftraggeber ist bisher nichts bekannt. (APA)

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