Pressestimmen: "Letztes Aufgebot"

23. Oktober 2003, 18:39
2 Postings

"Geschmeidiger" Rechtsnationaler Gorbach personifiziert nicht "Politik für den kleinen Mann"

Berlin/Zürich - Die Zustände in der FPÖ nach dem Abtreten von Herbert Haupt und die neue schwarz-grüne Zusammenarbeit auf Landesebene in Oberösterreich werden am Mittwoch von deutschen und Schweizer Zeitungen analysiert:

"Die Welt":

"Zerstritten, politisch unkalkulierbar und dem Koalitionspartner in keiner Weise gewachsen, stolperte die FPÖ von einer Wahlniederlage zur nächsten. Es sprach also viel dafür, Haiders Begehr nach einer Ablöse an der Parteispitze zu erfüllen. (...) Gorbach ist das, was man positiv einen 'rundum Loyalen' nennen könnte - negativ könnte man ihn auch als geschmeidigen Seitenwechsler bezeichnen. Ideologisch gilt er als Rechtsnationaler - freilich ohne die xenophoben Reflexe, die viele andere in der FPÖ plagen. Fachlich ist Gorbach unumstritten, er hat auch auf EU-Ebene eine gute Figur gemacht.

Dass das neue Führungstrio die Probleme der FPÖ zu lösen im Stande ist, glaubt kaum jemand. Denn allein schon die Aufteilung der Macht auf drei Köpfe legt nahe, dass künftig um die Führung der FPÖ zumindest nicht weniger gestritten wird. Zudem steht Gorbach ad personam nicht für die von Haider stets geforderte 'Politik für den kleinen Mann'. Und schließlich macht auch Haiders Wiedereinbindung die Sache nicht besser. (...) Sollte die schwarz-blaue Koalition gar nicht mehr zu halten sein, kann Kanzler Schüssel bei der Suche nach Alternativen ja in das Bundesland Oberösterreich gucken: Dort hat sich soeben die erste schwarz-grüne Koalitionsregierung gebildet."

"Berliner Zeitung":

"Jörg Haider ist noch nicht am Ende. Die Bemühungen des zum Kärntner Landeshauptmann verblassten Gespensterls, die schwarz-blaue Regierung in Wien zu Fall und (...) die FPÖ zum Verschwinden zu bringen, waren zwar in jüngster Zeit außerordentlich erfolgreich. Aber der letzte, der unwiderrufliche Triumph über die politische Vernunft blieb Haider bisher noch versagt. Nun hat er einen neuen Versuch unternommen, und Beobachter, die sowohl mit dem stets einsturzgefährdeten Dachstübchen des Herrn Landeshauptmanns als auch mit den Untiefen österreichischer Innenpolitik vertraut sind, bescheinigen ihm diesmal beste Erfolgsaussichten. (...) Alles in allem hat Haider nach mehreren katastrophal verlorenen Landtagswahlen - wie ihm ein Kommentator umgehend bestätigte - die bewährte Parole beherzigt: 'Never change a losing team'.

Zu diesem Team hat auch schon bisher Schwester Ursula gehört. Die Beförderung zur geschäftsführenden Parteivorsitzenden hat sie natürlich nicht ihrer Fähigkeit zu verdanken, sondern ihrer Unfähigkeit, ihrem Bruder in die Quere zu kommen. Der Personalverschleiß Haiders ist ungeheuer, Schwester Ursula definitiv das letzte Aufgebot. Auch ihr wird nicht gelingen, den rasanten Niedergang der FPÖ zu beenden."

"Neue Zürcher Zeitung":

"Wer bei den Freiheitlichen das Sagen hat, ist längst klar. Haider ließ am Dienstag auch die letzten Hemmungen fallen und nannte seine Schwester, Ursula Haubner, unverblümt Parteichefin (obwohl formell eigentlich noch Herbert Haupt dieses Amt bekleidet). (...) Die Grünen in Oberösterreich sind von der Wählerstruktur her durchaus bürgerlich. Der Kampf um die großen Umweltthemen sind offenbar weitgehend abgehakt. Inzwischen haben sich in diesem Bundesland die Positionen zwischen den Grünen und der Volkspartei auf einer Anzahl von Gebieten angenähert. Im Gegenzug zu den Stimmen der Grünen für die Wiederwahl Landeshauptmann Pühringers soll ihr Landeschef Rudi Anschober als erster grüner Landesrat einen Regierungsposten erhalten." (APA)

Share if you care.