Sonne in der Unterführung

24. Oktober 2003, 13:23
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Mit Wohnzimmer-Jazzfesten begann die "Sunshine"-Gruppe - am Donnerstag eröffnen sie den Club "Passage"

Vor zehn Jahren begann die "Sunshine"-Gruppe mit Wohnzimmer-Jazzfesten - am Donnerstag eröffnet sie in der Babenbergerpassage unter dem Ring den Club "Passage", Wiens vermutlich schicksten Club seit Jahren.

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Vor zehn Jahren, sagt Matthias Kamp, sei er in irgendeiner Wohnung auf einer Bierkiste gesessen und habe einfach ein bisserl Musik gehört. Leichtes, sonniges, jazziges Zeug. Sachen, die außer ihm und einer Handvoll seiner Freunde damals scheinbar keiner hören wollte: Die Clubs spielten Britpop, Techno oder House. Und darum blieb Matthias Kamp und seinen Freunden nichts anderes übrig, als auf in irgendwelchen Wohnungen auf Bierkisten zu sitzen, selbstimportierte Platten zu hören und mit ein paar Musikern dazu zu jammen.

"Sunshine" nannte sich der Freundeskreis schon damals. Und er wuchs. Von Wohnungs- zu halblegalen Caféhausparties. Dann über als Insidertipps weitergeflüsterte Clubadresse im Schutzhaus "Zukunft", in die Rosenhügelstudios und das Casino Baumgarten bis - zuletzt - als einer der Hauptakteure des Wiener Clublebens in die Meierei im Stadtpark. Dort war aber vor genau 390 Tagen das Ende der Partyherrlichkeit angesagt: Die Meierei ist nun Heimat des Nobelrestaurants "Steirereck"

Stadt Wien schlug Location vor

Am Donnerstag wird Kamps Sunshine-Gruppe - mittlerweile längst ein professionell geführtes Party-Unternehmen - ihre erste selbsteingerichtete (und auf 15 Jahre gemietete) Bleibe eröffnen: In einjähriger Arbeit - und mit einer Million investierten Euro - wurde die Babenbergerpassage unter der Ringstraße zu einem feinen, 400 Menschen fassenden Club umgebaut.

Die Location - jenes Relikt aus den autoverliebten 60er-Jahren, in denen alles ohne Verbrennungsmotor aus dem Blickfeld der modernen Welt verbannt werden sollte - habe seiner Gruppe die Stadt angeboten, erzählt Kamp: Als klar war, dass die Meierei von ihrem Pächter Johannes Hübner an die Stadt Wien zurückgehen werde und diese begann, mit den Haubenköchen des "Steirereck" als neuen Mietern zu liebäugeln, habe er bei Finanzstadtrat Sepp Rieder (SP) angeklopft: "Ich habe gesagt, es wäre doch schade, wenn da ein Stück Kulturarbeit vernichtet würde." Rieders Mitarbeiter (zum Teil selbst Sunshine-Besucher) sahen das auch so, "und schlugen uns die Passage, von der ohnehin keiner wusste, was man daraus machen solle, vor."

Musikhören mit Freunden

Vor zehn Jahren, sagt Matthias Kamp, sei er in irgendeiner Wohnung auf einer Bierkiste gesessen und habe einfach ein bisserl Musik gehört. Leichtes, sonniges, jazziges Zeug: "Daran hat sich nichts geändert. Wir haben einfach immer nur das getan, was uns Spaß gemacht hat Musikhören mit Freunden." (Thomas Rottenberg/DER STANDARD; Printausgabe, 22.10.2003)

  • Club "Passage" in der Babenbergerpassage
    foto: sunshine

    Club "Passage" in der Babenbergerpassage

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