Wasserversorger gegen Liberalisierung

21. Oktober 2003, 20:19
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Die EU will mehr Wettbewerb - Die Anbieter befürchten Zustände wie in Großbritannien

Wien - Gegen "mögliche zwangsweise EU-weite Ausschreibung von Wasserdienstleistungen, soll heißen eine völlige Marktliberalisierung, sprach sich am Dienstag Hans Sailer, der Chef der Vereinigung für das Gas- und Wasserfach aus. Die Gemeinden sollen autonom die Art der Wasserversorgung bestimmen können. Vergleiche hätten gezeigt, dass eine Privatisierung im Wasserbereich, wie in Großbritannien geschehen, kein "Schlaraffenland der billigen Preise nach sich zieht". Österreich liegt derzeit bei hoher Versorgungssicherheit im preislichen Mittelfeld.

Die Ängste der Trinkwasserversorger haben einen aktuellen Anlass. Die EU-Wettbewerbskommission denkt - nach der Liberalisierung des Strom-, Gas- und Telekombereiches - derzeit nämlich auch über Liberalisierungspotenziale in der Ver- und Entsorgung mit Wasser nach. Wobei die EU-Vertretung in Österreich beruhigt. Brüssel sei zurzeit nur in der Fact-Finding-Phase. Die EU werde sich "hauptsächlich auf den Industrie- und Gewerbebereich konzentrieren, wo sich die Betriebe künftig die für sie günstigste Wasserversorgung aussuchen sollen". Wasser ist ein wichtiger Wirtschaftszweig in der Union. Der Jahresumsatz um 80 Milliarden Euro liegt über dem des Erdgassektors.

Die heimische Wasser- und Abfallwirtschaft ist der Ansicht, dass sich bereits ein Markt für die effizienteste Leistung entwickelt und regulierbare Eingriffe verzichtbar seien. Die öffentliche Hand soll jedenfalls ein Kontrollrecht erhalten, das mit einer Gewährleistungsverpflichtung durch den Anbieter verknüpft ist. (DER STANDARD Printausgabe, 22.10.2003, bach)

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