Die Frühwarnsysteme im eigenen Körper aktivieren

27. Oktober 2003, 17:34
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Im Kampf gegen den Krebs gilt noch immer die frühzeitige Diagnose als beste Waffe

Über 34.000 Krebserkrankungen wurden im Jahr 2000 in Österreich statistisch erfasst. Zehn Jahre früher waren es 3000 weniger. Gleichzeitig ging in diesem Zeitraum auch die Zahl der Todesfälle durch Krebs um 15 Prozent zurück. Grund dafür sind bessere Behandlungs- und Früherkennungsmethoden.

Mit rund 5000 Neuerkrankungen jährlich ist Brustkrebs die bei Frauen am häufigsten auftretende Krebsart. Wird er in einem frühen Stadium erkannt, liegt die Heilungsrate bei 90 Prozent. Eine wichtige Früherkennungsmaßnahme ist die Selbstuntersuchung durch Abtasten der Brüste und Achselhöhlen. Dieser Test sollte einmal monatlich ab dem 20. Lebensjahr gemacht werden. Zweimal jährlich sollte diese Tastuntersuchung vom Arzt im Rahmen der gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung durchgeführt werden. Mittels Mammografie können auch noch nicht tastbare Tumoren festgestellt werden. "Ich würde jeder Frau ab 40 raten, einmal jährlich eine Mammografie durchführen zu lassen", empfiehlt Ernst Kubista, Vorstand der Abteilung für Spezielle Gynäkologie am Wiener AKH. Gegenwärtig sind es gerade 20 Prozent aller Österreicherinnen, die dieses kostenlose Vorsorgeangebot regelmäßig nutzen. "Insbesondere ältere Frauen glauben oft, es kann ihnen diesbezüglich nicht mehr viel passieren. Das ist ein Irrtum, denn die Gefahr, an Krebs zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter." Ein eigenes Mammografie-Screening-Programm, bei dem alle Österreicherinnen der gefährdeten Altersgruppe einmal jährlich an die Untersuchung erinnert werden, ist zurzeit in Ausarbeitung.

Eigenscreenings

Zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs empfiehlt der Gynäkologe allen Frauen zwischen 20 und 60 einmal pro Jahr eine Abstrichuntersuchung (PAP) des Gebärmutterhalses. Hellmut Samonigg, Leiter der Abteilung für Onkologie an der Grazer Medizinuni, plädiert auch für ein eigenes Screening zur Früherkennung von Darmkrebserkrankungen. "Ab 40 sollte jeder einmal jährlich seinen Stuhl auf verborgenes Blut untersuchen lassen." Da viele Tumore zum Zeitpunkt der Untersuchung nicht bluten, gibt der Test keine hundertprozentige Sicherheit. Daher wird jetzt ab dem 50. Lebensjahr alle fünf bis sieben Jahre eine Darmspiegelung empfohlen.

Die bei Männern am häufigsten diagnostizierte Krebsart ist das Prostatakarzinom. Um es möglichst früh zu entdecken, rät das Gros der Experten jedem Mann ab 45 zu einer jährlichen Prostata-Kontrolle beim Urologen, bei der neben der Tastuntersuchung auch das Blut auf prostataspezifische Antigene (PSA) getestet wird. "Falls erhöhte PSA-Werte festgestellt werden, muss das aber noch nicht unbedingt auf eine Krebserkrankung hindeuten", beruhigt Martin Hoff, Präsident der Krebshilfe Steiermark. "In diesem Fall sind zur Abklärung weitere Untersuchungen erforderlich." Zur Früherkennung von Hodenkrebs sollte man im Rahmen einer Selbstuntersuchung die Hoden alle vier Wochen abtasten.

Während die Lungenkrebsrate insgesamt zurückgeht, steigt bei den Frauen aufgrund ihres wachsenden Zigarettenkonsums die Zahl der Neuerkrankungen drastisch. Mittlerweile ist der Lungenkrebs nach Brust- und Dickdarmkrebs bereits die dritthäufigste Krebserkrankung bei den Frauen, bei den Männern steht er an zweiter Stelle. Im Gegensatz zu vielen anderen Krebsarten gibt es gegen ihn eine äußerst effektive Präventionsmaßnahme: nicht rauchen. Obwohl die Prognose auch des Bronchialkarzinoms in früheren Tumorstadien beträchtlich günstiger ist als bei fortgeschrittenen, kommen die Betroffenen meist erst in einer späten Phase der Erkrankung zum Arzt, da es beim Lungenkrebs keine Frühsymptome gibt. Umso wichtiger wären speziell für die Risikogruppe der Raucher effiziente Früherkennungsmethoden. Diese stehen für einen breiten Einsatz allerdings noch nicht zur Verfügung. Immerhin haben in den vergangenen Jahren neue Verfahren wie etwa die "Lowdose Computertomografie" oder die "automatisierte Sputumzytometrie (ASC)" den Nachweis erbracht, dass mit ihnen die Früherkennungsraten verbessert werden können. Ob und in welcher Weise eine bzw. eine Kombination dieser Methoden in der Praxis eingesetzt werden soll, wird zurzeit noch diskutiert.

Vergleichsweise simpel

Im Gegensatz zum Lungenkrebs ist die Früherkennung von Hautkrebs simpel und unumstritten. Eine regelmäßige Selbstuntersuchung der Haut und der Gang zum Dermatologen, wenn Veränderungen - etwa bei Muttermalen - beobachtet werden, hält das Risiko in Grenzen. Melanome können schon in einem frühen Stadium erkannt werden und sind durch Operation fast zu 100 Prozent heilbar. Da es - selten, aber doch - auch bei Männern zu Brustkrebs kommen kann, sollten auch Knoten in der männlichen Brust ärztlich überprüft werden. Zu achten ist auch auf Lymphknotenvergrößerungen im Bereich der Leisten und Achseln, die in vereinzelten Fällen auf Lymphdrüsenkrebs hindeuten könnten. Auch bei Schwellungen der Muskeln oder der Gelenke sowie bei Knochenschmerzen sollte man mit einem Arztbesuch nicht zögern: "Vor allem von jungen Menschen werden Sarkome, also bösartige Bindegewebsgeschwülste, oft zu lange als verletzungsbedingt interpretiert", weiß Samonigg.

Proteine entschlüsseln

Neue Ansätze zur Krebsfrüherkennung werden derzeit im Bereich der Proteomics, einem Forschungszweig, der sich mit der Entschlüsselung von Proteinen befasst, erarbeitet. Im Zentrum steht der genetisch bedingte Brustkrebs. "Die Hoffnung dabei ist", so Ernst Kubista, "dass bei Frauen mit einer genetischen Disposition für Brustkrebs auch im Blut Stoffe nachgewiesen werden können, die einen Rückschluss auf das Ausmaß ihrer Krebsgefährdung zulassen." Die Analyse der von den krebsverantwortlichen Genen produzierten Proteine soll darüber Aufschluss geben. Diese Forschungen stehen aber erst am Anfang.

Ein Langzeitprojekt ist auch die Entwicklung einer Krebs-impfung an der Grazer Medizinuniversität, die bei allen epithelialen Krebsarten - etwa Brust-, Darm-, Lungen- oder Prostatakrebs - einsetzbar wäre. Der Impfstoff IGN 101 wurde bereits an über 80 Krebspatienten getestet. Es konnte tatsächlich eine Immunantwort nachgewiesen werden. Erste Ergebnisse stimmen optimistisch, auf den Einsatz wird man noch warten müssen. (Doris Griesser/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22. 10. 2003)

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