Das Sozialnetz bekommt immer größere Löcher

22. Oktober 2003, 18:31
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Steiermark: Arbeitsprojekte für Randgruppen vor dem Aus

Es trifft jene, die ohnehin längst Betroffene sind: Langzeitarbeitslose, Menschen mit psychischen oder körperlichen Problemen, Haftentlassene. Sie finden, wenn sie Glück haben, in einem der Beschäftigungsprojekte einen Arbeits- und Betreuungsplatz. Hier können sie sich langsam wieder an einen Einstieg in die Arbeitswelt gewöhnen.

Allein im steirischen Verband Sozialökonomischer Betriebe (Söb) mit seinen zehn Mitgliedsbetrieben wurden in den vergangenen fünf Jahren 1400 gehandicapte Arbeitnehmer erfolgreich in den Arbeitsmarkt zurückgebracht. Dies entspreche einer Integrationsquote von 70 Prozent, sagt die Geschäftsführerin der Verbandes der sozialökonomischen Betriebe der Steiermark, Gerlinde Hacker.

"Die Betroffenen fallen wieder zurück und aus allen Netzen"

Nun aber drohe diesen Arbeits- und Betreuungsprojekten vom Arbeitsmarktservice Förderungskürzungen im Ausmaß von 20 bis 100 Prozent. Betroffen sind unter anderem Betriebe wie Umweltunternehmen, ein Textilatelier, eine Tischlerei oder auch ein biologisch-organischer Landwirtschaftsbetrieb. Einige der Firmen müssen heuer oder im nächsten Jahr gesperrt werden.

Gerlinde Hacker zum STANDARD: "Die Betroffenen fallen wieder zurück und aus allen Netzen. Sie werden wieder zu Fällen der Psychiatrie, der Medizin, der Haftanstalten. Wenn die Betreuung von Haftentlassenen gestoppt wird, kann man sich ja ausrechnen, auf welchen Weg sie zurückgehen. Ich glaube, dass jenen, die diese massiven Streichungen verantworten, nicht klar ist, dass sie damit weit höhere Folgekosten provozieren." Betriebe, die nicht geschlossen werden, müssen künftig als branchenübliche Unternehmen weitergeführt werden - ohne soziale Aufgaben. (mue/DER STANDARD; Printausgabe, 22.10.2003)

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