Streit um Bild von NS-Politiker

22. Oktober 2003, 18:31
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Grüne fordern "erklärenden Text" zu Bürgermeisterporträt am Bregenzer Rathaus

An der Außenfassade des Bregenzer Rathauses wurde Ende der 80er-Jahre eine Gedenktafel für 16 Bregenzer NS-Opfer angebracht. Im Inneren des Rathauses, just im Sitzungssaal der Stadtvertretung, hängt hingegen das Porträt des NS-Bürgermeisters Karl Solhardt (1938-1945). "Kommentarlos", wie die Grünen kritisieren.

Fraktionssprecher Gernot Kiermayr, Historiker und Autor: "Ohne den Bürgermeister von ,Groß-Bregenz', Karl Solhardt, wäre eine solche traurige Bilanz des Terrors nicht möglich gewesen, denn die staatliche und quasistaatliche Bürokratie war in die Ziele und Aktionen des NS-Staates voll einbezogen." Solhardt habe darüber hinaus auch das Versäumnis zu verantworten, dass Bregenz Ende April 1945 nicht zur "offenen Stadt" erklärt wurde. Die Erklärung zur Lazarettstadt hätte das Bombardement am 1. Mai 1945 verhindern können, das 800 Menschen obdachlos machte.

"Erklärender Text"

Das Grüne Forum schlug deshalb am Dienstagabend vor, das Porträt des NS-Bürgermeisters mit "einem erklärenden Text zu versehen".

Bürgermeister Markus Linhart (VP) will davon nichts wissen: "Durch die Tafel bekäme Solhardt eine Sonderstellung, die dem NS-Regime nicht zusteht." Einfach abhängen lassen, wie in Graz längst geschehen, will Linhart das Gemälde nicht: "Das ist ja nur eine Auflistung, keine wertende Galerie." Im Übrigen sei er dagegen "diese Zeit permanent wiederzukäuen, die verdient das nicht".

In einem anderen Geschichtsstreit hat Linhart gewonnen. Eine Aufsichtsbeschwerde der Grünen über Linharts Redeverbot für die Opposition auf der Festsitzung zum Stadtjubiläum, bei der Kiermayr auch die NS-Zeit beleuchten wollte, wurde von der BH "mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen". (jub/DER STANDARD; Printausgabe, 22.10.2003)

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