Das Auto als immer lohnenderes Ziel für Diebsbanden

23. Oktober 2003, 18:16
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Immer öfter sind Fahrzeuge Ziel von Einbrechern und Dieben - Die Täter gehen dabei nicht zimperlich vor

Schauplatz SCS-Parkplatz, Montagnachmittag: Nach einem Hinweis beobachten Gendarmen vier junge Männer, die in ein abgestelltes Auto einbrechen wollen. Nach dem Zugriff finden sich im Wagen der Verdächtigen Digitalkameras, Handy und Einbruchswerkzeug. Schauplatz Ladendorf im niederösterreichischen Bezirk Mistelbach: Innerhalb einer Nacht wurden acht Fahrzeuge aufgebrochen und Autoradios sowie Bekleidung gestohlen. Zwei Fälle innerhalb weniger Stunden, die ein wachsendes Problem verdeutlichen: Die Zahl der Kfz-Einbrüche verzeichnet erhebliche Zuwächse. "Es hat merkliche Steigerungen gegeben, besonders im Großraum Wien sowie Linz und Graz", bestätigt Erich Zwettler vom Bundeskriminalamt (BK).

Gefeit ist man nirgends

Die Täter kommen aus der ganzen Welt: Südamerika, das Baltikum, Osteuropa und Österreich scheinen als Herkunftsorte Verdächtiger auf. Gemeinsam ist ihnen, schnell und wenig zimperlich vorzugehen: "In den meisten Fällen wird entweder das Türschloss aufgestochen oder einfach eine Scheibe eingeschlagen. Dann nehmen die Täter die Wertgegenstände und sind innerhalb weniger Minuten verschwunden", skizziert Zwettler die Vorgehensweise. Gefeit ist man nirgends, betont man bei der Gendarmerie Vösendorf, wo auch das Einkaufscenter SCS liegt. "Während in Wien eher abends eingebrochen wird, ist es bei uns tagsüber. Es gibt aber keine Schwerpunkte, in Parkhäusern passiert es genauso wie mitten auf dem Parkplatz", schildert ein Beamter.

Wertsachen in den Kofferraum sperren

Als Ziel der Beutezüge werden jene Wagen auserkoren, in denen Laptops, Handys, aber auch schlichte Sporttaschen offen sichtbar sind. "Wir raten daher, Wertsachen auch dann in den Kofferraum zu sperren, wenn man nur für eine Viertelstunde weg ist", meint BK-Mann Zwettler. Alarmanlagen seien dagegen keine große Hilfe: Selbst wenn ein Zeuge die Exekutive verständigt, sind die Diebe über alle Berge, bis die Sicherheitskräfte eintreffen. Bei der Versicherungswirtschaft hat man dagegen keine konkreten Daten, wie häufig und ergiebig das Delikt ist. "Wir haben leider keine Zahlen, was aber auch daran liegen kann, dass nur bei einer Kasko-Versicherung der Schaden gedeckt ist", meint Gregor Kozak vom Verband der Versicherungsunternehmen. Interessanterweise bemerken auch Reparaturwerkstätten keinen übermäßigen Arbeitsanstieg bezüglich aufgebrochener Schlösser oder kaputter Scheiben. "Ich habe von meinen Betrieben überhaupt keine Informationen, dass sich da etwas besonders ändern würde", betont Ewald Pfleger, Geschäftsführer der Wiener Landesinnung der Kraftfahrzeugtechniker. (Michael Möseneder/DER STANDARD; Printausgabe, 22.10.2003)

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    Mit zugespitzten Schraubenziehern wird das Schloss aufgebrochen, wenn es noch schneller gehen muss, wird einfach die Seitenscheibe zertrümmert. Immer öfter benutzen Täter diese Wege, um ins Wageninnere zu kommen.

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