Drei Millionen für die Weltraumforschung

27. Oktober 2003, 13:33
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Österreichs Weltraumprogramm genehmigt neun Projekte - Steiermark fährt den Löwenanteil ein

Graz - Rund drei Mio. Euro stehen der österreichischen Weltraumforschung im Rahmen des Österreichischen Weltraumprogrammes (ASAP) in diesem und dem nächsten Jahr zur Verfügung. Steirische Wissenschafter und die Industrie waren in der ersten Ausschreibungsrunde besonders erfolgreich und konnten beinahe die Hälfte des gesamten Fördervolumens an Land ziehen, hieß es am Dienstag anlässlich der Unterzeichnung der ASAP-Verträge zwischen den Forschern und der Austrian Space Agency (ASA) in Graz. Von Klimaforschungsprojekten bis zur Beteiligung an Venus- und Mars-Missionen reichen die bewilligten Projekte.

"Durch die Vergabe der Projekte über eine internationale Jury bestätigt sich, was wir schon immer wussten: die Steiermark ist auf dem Gebiet der Weltraumforschung eine extrem leistungsfähige Region, hier gibt es Strukturen auf die wir aufbauen können", so der der Direktor der Austrian Space Agency (ASA), Klaus Pseiner. Tatsächlich geht ein Großteil des in der ersten Ausschriebungrunde zur Verfügung stehenden Geldes in die Steiermark: Sechs der insgesamt neun Forschungsprojekte werden von hier aus geleitet.

Das Geld

Finanziert wird das Programm aus FTE-Sondermitteln, für die der Rat für Forschung und Technologieentwicklung im November 2001 insgesamt 7,27 Mio. Euro zur Verwendung empfohlen hat. Ziel sei es, im Bereich der Weltraumforschung nicht flächendeckendes Mittelmaß sondern "hochkompetitive Nischenplayer" zu werden, so Pseiner. Mit dem Programm verfolgt man die Strategie, ein zu den sonstigen österreichischen Raumfahrtaktivitäten komplementäres österreichisches Weltraumprogramm zu schaffen.

28 Projektanträge sind in der ersten Ausschreibungsrunde eingegangen - neun wurden letztlich als förderungswürdig erachtet und insgesamt mit 3.090.410 Euro an Fördermitteln ausgestattet. Auf Grund des Eigenfinanzierungsanteils der Projektpartner beträgt das Gesamtprojektvolumen immerhin 5.043.269 Euro.

Stärkere Vernetzung

Mit einer weiteren Ausschreibungsrunde will man den laufenden Projekten die Möglichkeit einer Weiterfinanzierung (auf zusätzliche zwölf bis 18 Monate) ermöglichen. Anfang 2003 soll es dann auch noch eine neue große Projektausschreibung geben. Insgesamt stehen für alle Projekte aber nur weitere 4,2 Mio. Euro zur Verfügung.

Größtes Anliegen sei es, dass das "beherzte Finanzierungsprogramm" auch eine Kontinuität findet, so Pseiner. "Eine Budgetierung für die nächsten Programmphasen ist dringend notwendig", so der ASA-Chef, der hofft, "dass der Rat für Froschung und Technologieentwicklung die Weltraumforschung auch weiterhin auf seiner Agenda hat".

Das Ziel, die österreichischen Akteure stärker thematisch zu vernetzen, sei in der ersten Antragsrunde aufgegangen: Insgesamt 77 Prozent der gesamten Projektsumme wurden gemeinsam erarbeitet, davon umfassen 31 Prozent Kooperationen innerhalb der Industrie, 36 Prozent Kooperationen zwischen Wissenschaft und Industrie und zehn Prozent Kooperationen im wissenschaftlichen Bereich.

Kooperation gefragt

"Kooperation auf allen Ebenen" ist für Hans Sünkel, Direktor des Grazer Instituts für Weltraumforschung (IWF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und Rektor der Grazer Technischen Universität, das Geheimnis des Erfolges der steirischen Bewerber am Austrian Space Application Programm (ASAP). "Anstatt uns innerhalb der Institute zu konkurrenzieren, kooperieren wir lokal und regional und suchen das Maß, an dem wir uns messen, auf internationaler Ebene", so Sünkel.

An Sünkels Abteilung für Satellitengeodäsie der ÖAW wird z.B. gemeinsam mit der TU Graz daran gearbeitet, möglichst genaue Kenntnisse über das Erd-Gravitationsfeld zu erhalten. Im Rahmen der ASAP-Aktivitäten wird ein Software-System zur Berechnung eines hochaufgelösten Modells des Schwerefeldes erarbeitet und ein Datenbanksystem für Satellitendaten entwickelt. Die Berechnung der etwa 100.000 Schwerefeldparameter, die während der Satellitenmission GOCE (Gravity Field and Steady-State Ocean Circulation Explorer) gemessen werden, ist ein numerisch hoch anspruchsvolles Problem, da rund 100 Millionen Beobachtungsdaten berücksichtigt werden müssen.

Projekte

Die Entwicklung, der Bau und die Qualifikation eines neuartigen ultrapräzisen Iridium-Ionenantriebssystems zur Lageregelung und Feinjustierung des GOCE-Satelliten selbst steht im Zentrum der Forschungsanstrengung des Projektes FEEP (Field Electric Propulsion), das die Magna Steyr Weltraumtechnik bewilligt bekam.

Zwei weitere Missionen - "Venus-Express" und das NetLander-Projekt zur Erforschung des Mars sind zusätzliche ASAP-Projekte des IWF: Für die 2005 startende ESA-Mission "Venus Express" will die Abteilung für Experimentelle Weltraumforschung unter Wolfgang Baumjohann ein Instrument zur Messung des Magnetfeldes der Venus liefern. Zugleich wird in der Abteilung auch an der Entwicklung eines Sensor-Messgerätes zur Untersuchung der Oberflächenbeschaffenheit und Bodenmechanik am Mars gearbeitet.

Joanneum-Forschung

Am Institut für Angewandte Systemtechnik des Joanneum Research entwickelt man mit der TU und Siemens ein Monitoring-System für Satellitentransponder. Damit sollen Satellitennetzbetreiber in die Lage versetzt werden, die Signal-Güte automatisch zu überwachen und Störsender zu identifizieren - billiger als bisher.

Am Joanneum Research entwickelt man mit Tiroler und deutschen Partnern neue Methoden und Algorithmen, die die gemeinsame Verarbeitung von satellitengestützten Radar- und Satellitenfernerkundungsdaten zum besseren Monitoring von alpinen Regionen ermöglichen. An der Uni Graz will man mit so genannten Radio-Okkulationsdaten die Atmosphäre und das Klima unserer Erde besser erforschen. (APA)

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