Vom Sehen und Hören anonymer Botschaften

26. Oktober 2003, 21:23
1 Posting

Regina Hübners hintergründiges Spiel mit Kommunikation

Es ist dunkel. Aus Lautsprechern dringen verfremdete Frauen - und Männerstimmen. Man blickt auf sprechende Gesichter, ohne Worte zu hören. Man liest Texte, die man niemand zuordnen kann. Es ist ein komplexes Werk, mit dem Regina Hübner die Besucher ihrer Ausstellung verunsichert. Anonymus nennt sich die Arbeit der 38-jährigen Kärntnerin, die derzeit in der Galerie der Stadt Villach zu sehen ist. Zur Arbeit wurde sie durch den Tod einer Freundin angeregt. Sie begann ich mit der Frage zu beschäftigen, "ob die eigene Existenz dadurch fortdauert, daß sie in die Erinnerung anderer übergeht".

Hübner bat 21 Personen, ihr persönliche Botschaften anzuvertrauen und hielt sie in Bild und Ton fest. "Die physische Existenz eines Menschen ist keine Voraussetzung für das Fortleben ihrer Gedanken", sinniert die Künstlerin. "Ich wollte den Gedanken von der Zugehörigkeit zu seinem Autor und dessen Identität befreien". Die 21 Personen mußten sich also von ihren Botschaften trennen. Diese leben in Hübners Arbeit weiter. Der Besucher begibt sich in dem von Stimmen,Gesichtern und Wörtern belebten Raum auf spannende Spurensuche. Regina Hübner lebt als visual artist in Rom, wo sie an der Akademie studiert hat. Ihre Arbeiten - meist Rauminstallationen mit Videoprojekttion veruchen, die Grenzen der Kommunikation auszuloten. Durch die optische oder akustische Verfremdung von Texten, Bildern und Lauten zwingt sie den Besucher zur Reflexion über die eigene Wahrnehmung. Zur Ausstellung ist ein 150-seitiger Katalog erschienen. (Gerhard Mumelter)

Galerie der Stadt Villach
Freihausgasse
(bis 25. Oktober).
  • Artikelbild
    foto: galerie
Share if you care.