Telekom Austria blitzt in Bulgarien ab

29. Oktober 2003, 10:55
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TA für Minderheitsbeteiligung "nicht zu haben" - Mobiltel soll jetzt an Finanzinvestor gehen

Die Telekom Austria (TA) hat bei ihren Osteuropa-Expansionplänen einen herben Rückschlag erlitten. Nach monatelangem Ringen um einen Einstieg bei der bulgarischen Mobiltel sind die Verhandlungen mit der Mobilkom am Dienstag endgültig für gescheitert erklärt worden. Beim Teilverkauf der Mobiltel dürfte nun ein internationaler Finanzinvestor zum Zug kommen. Der bulgarische Handymarktführer hat laut Eigentümerkreisen nun Exklusivverhandlungen mit dem Interessenten aufgenommen, ein Abschluss der Verhandlungen wird Ende November/Anfang Dezember erwartet.

Abbruch der Verhandlungen

Die Telekom Austria begründet den Abbruch der Verhandlung damit, dass der Verkäufer einen Interessen den Vorzug gegeben habe, der das Ziel einer Minderheitsbeteiligung verfolge. Die TA sei für eine Minderheitsbeteiligung an der Mobiltel "nicht zur Verfügung gestanden", hieß es in einer Ad-hoc-Mitteilung.

"Strategisches Interessensgebiet"

Mobilkom-Chef Boris Nemsic hatte zuletzt mehrfach betont, dass Bulgarien im "strategischen Interessensgebiet" seines Unternehmens liege. Die Mobiltel wäre nach Slowenien, Kroatien und Liechtenstein die vierte Auslandbeteilung der Mobilkom gewesen. TA-Chef Heinz Sundt hatte allerdings erst am Freitag erklärt, dass die TA die Mobiltel nur "zu wirtschaftlich vertretbaren Konditionen erwerben" wolle.

Der bulgarische Mobilfunkkonzern gehört u.a. dem österreichischen Industriellen und Ex-ÖVP-Obmann Josef Taus. Taus hatte die lukrative Mobiltel, Marktführer im bulgarischen Handymarkt, im Jänner 2002 gemeinsam mit der Management Trust Holding AG (MTH), Cordt & Partner, der Bawag/PSK-Gruppe und der MS Privatstiftung des Geschäftsmanns Martin Schlaff für rund 820 Mio. Euro übernommen.

Totalübernahme

Für eine Mehrheit oder Totalübernahme der Mobiltel hatten sich zuletzt neben der TA auch die ungarische Tochter der Deutschen Telekom, Matav, die britische Mobilfunkgesellschaft Vodafone sowie die skandinavischen Telekomkonzerne Telenor und Telia-Sonera interessiert. Analysten hatten den Wert für die gesamte Mobiltel zu Jahresbeginn auf 1,0 bis 1,5 Mrd. Euro geschätzt.

Analysten zeigten sich am Dienstag über das Abblitzen der Mobilkom bei der Mobiltel enttäuscht. Bulgarien hätte als Wachstumsmarkt großes Potenzial beinhaltet, meinte Erste Bank-Analyst Konrad Sveceny. Viele Aktionäre hatten zuletzt allerdings befürchtet, dass die TA für den Mobiltel-Anteil einen zu hohen Preis zahlen könnte. Die TA-Aktie notierte am späten Freitagnachmittag (16:30 Uhr) mit 9,30 Euro 0,32 Prozent im Plus.

425 Millionen Euro Umsatz

Die Mobiltel wird laut Eigentümerkreisen heuer einen Umsatz von 425 Mio. Euro erzielen, was einem Plus von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Der Cash Flow soll um 25 Prozent auf 270 Mio. Euro steigen, der Nettogewinn ebenfalls um 25 Prozent auf 180 Mio. Euro. Das Unternehmen beschäftigt 2.300 Mitarbeiter.

Mit einem Marktanteil von 73 Prozent Marktführer und derzeit 2,25 Mio. Kunden ist die Mobiltel mit deutlichem Abstand Marktführer auf dem bulgarischen Handymarkt. Bis Jahresende 2003 würden 2,4 Mio. Kunden erwartet, hieß es aus Eigentümerkreisen am Dienstag zur APA. Die Penetration im bulgarischen Mobilfunkmarkt liegt derzeit bei 43 Prozent und soll im nächsten Jahr auf über 50 Prozent steigen.(APA)

  • Telekom-Chef Heinz Sundt und Mobilkom-Chef Boris Nemsic

    Telekom-Chef Heinz Sundt und Mobilkom-Chef Boris Nemsic

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