Siemens Österreich muss kräftig sparen

29. Oktober 2003, 10:58
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Elektronikwerk, PSE und Netze betroffen - 5.000 Angestellte stehen vor mageren Zeiten

Die angespannte Situation in einigen Schlüsselbereichen der Siemens-Gruppe in Österreich wirft ihre Schatten auf die Lohnrunde der Elektro- und Elektronikindustrie. Konkret geht bei den unter der anhaltenden Konjunkturflaute leidenden Elektronikern die Angst um, Siemens könnte bei den Tarifverhandlungen - nächste Runde ist im November - für die rund 60.000 Beschäftigten einen hohen Abschluss zulassen, ohne selbst darunter leiden zu müssen.

Einsparungen

Hintergrund derartiger Befürchtungen ist, dass bei den Siemens-Sorgenkindern Elektronikwerk Wien (EWW), Softwarehaus PSE sowie der Telekom- und Netzwerksparte (ICN) zum Teil mehrjährige Sparpakete ausverhandelt werden bzw. wurden. So wurden im EWW, wie berichtet, hundert Mitarbeiter gekündigt und zwecks Umschulung in eine Arbeitsstiftung transferiert, von ebenso vielen trennte man sich. Die verbliebenen 800 Beschäftigten müssen einen fünfprozentigen Solidaritätsbeitrag leisten. Da die EWWler laut Konzernangaben durchschnittlich zehn Prozent mehr verdienen als bei der Konkurrenz bzw. 50 Prozent über dem Kollektivvertrag, dürften weitere "Aufsaugungen" der Überzahlungen folgen.

Ziel

Bei den rund 800 Mitarbeitern der Netzwerksparte ICN wird laut Insidern auf "mindestens zwei Jahre Verzicht" verhandelt: Im ersten Jahr zeichne sich eine drei-, im zweiten eine vierprozentige Kürzung ab.

Dick kommt es auch beim Softwarehaus PSE: Je höher der Verzicht, desto weniger der insgesamt 3200 Mitarbeiter Mitarbeiter müssen gehen. Kolportiert werden 330, 530 oder 730 Kündigungen.

Mehrheitlich

Unterm Strich stehen damit bis zu 5000 der insgesamt 8092 Beschäftigten der Siemens AG Österreich magere Zeiten ins Haus. Möglicherweise muss auch die Handysparte ICM zurückgefahren werden. Von einem flächendeckenden Gehaltsverzicht könne jedoch keine Rede sein, heißt es bei Siemens. In Teilbereichen, die unter hohem wirtschaftlichen Druck stünden, würden für begrenzte Zeiträume Betriebsvereinbarungen getroffen. "Um die Steigerungsraten bei Löhnen und Gehältern abflachen zu können", sagt ein Siemens-Sprecher. (Luise Ungerboeck Robert Schlesinger / DER STANDARD Printausgabe, 21.10.2003)

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