Streit um angeblichen Brief an Hitler

26. Oktober 2003, 18:32
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Autor: Vater der niederländischen Königin bot sich als "Statthalter" an - der dementiert, war jedoch SA-Mitglied

Den Haag - Der Vater der niederländischen Königin Beatrix, Prinz Bernhard zur Lippe-Biesterfeld (92), hat sich gegen den Vorwurf zur Wehr gesetzt, dass er im April 1942 einen Brief an Hitler geschrieben hätte. In dem am Dienstag veröffentlichten Buch "Doppelspion" von Gerald Albers über eine frühere Mitarbeiterin verschiedener Geheimdienste verweist der Autor auf Behauptungen, der Prinz hätte sich im Zweiten Weltkrieg der deutschen Besatzungsmacht als "Statthalter" angeboten. Er habe niemals einen solchen Brief geschrieben, betonte der aus Deutschland stammende Ehemann der früheren Königin Juliana in einer Verlautbarung von Hof und Regierung.

Er empfinde es als ärgerlich und ehrverletzend, dass immer wieder in Publikationen auf einen gar nicht existierenden Brief Bezug genommen werde, stellte der Vater der Königin fest. Seit den vierziger Jahren tauchten immer wieder entsprechende Behauptungen auf. Niemand habe das Schreiben aber bisher präsentieren können, schrieb die Tageszeitung "De Telegraaf" am Dienstag. Bernhard war 1940 beim Überfall der Deutschen nach London geflohen und hatte von dort aus die niederländischen Exil-Streitkräfte organisiert. Nach dem Krieg ließ er sich als Widerstandskämpfer feiern.

NSDAP- und SA-Mitglied

Für große Aufregung hatte das staatliche Institut für Kriegsdokumentation mit der Enthüllung gesorgt, dass Bernhard in den dreißiger Jahren in Deutschland Mitglied der NSDAP und SA-Angehöriger war. Bernhard rechtfertigte dies später damit, dass er andernfalls sein Jusstudium nicht hätte abschließen können. Bei seiner Heirat legte er 1937 die deutsche Staatsbürgerschaft ab.

Seine Verstrickung in die "Lockheed"-Bestechungsaffäre kostete Bernhard in den siebziger Jahren den Posten des Generalinspektors der niederländischen Streitkräfte. Er musste auf seine militärischen Funktionen und auf seine Orden verzichten. Zuletzt stand der Prinz im Mittelpunkt eines Geheimdienst-Abhörskandals, dessen Opfer seine Enkelin, Prinzessin Margarita von Bourbon-Parma, war. (APA/dpa)

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