Geschäftemacherei mit der Marke "Vatikan"

16. Jänner 2000, 14:00

Namensbesetzer bereiten dem Heiligen Stuhl Kopfzerbrechen

Vatikanstadt - Im Internet ist nichts heilig, nicht einmal der Vatikan. Zwar gehört der Domain-Name "vatican.va" dem Heiligen Stuhl, aber clevere Geschäftemacher haben sich bereits Abwandlungen unter den Nagel gerissen. "vatican.com" oder "vatican.org", so erhoffen sich, wie Kathpress berichtet, manche Internet-Namensbesetzer (in Anlehnung an Hausbesetzer), können in klingende Münze umgesetzt werden oder aber der eigenen "Web-Site" einen offiziellen Anstrich verleihen.

Domain-Namen werden strikt nach der Reihenfolge der Antragsteller vergeben, lediglich eingetragene Warenzeichen sind geschützt. Obwohl der Vatikan 1996 noch keine Pläne für einen eigenen Internetauftritt hatte, war der Chef des Päpstlichen Medien-Rates, Erzbischof John P. Foley, weitsichtig genug, um den Domain-Namen "vatican.va" zu reservieren. Foley wusste jedoch nicht, dass er auch alle möglichen Abwandlungen hätte reservieren müssen. "Ich war der Meinung, mit vatican.va sei alles abgedeckt", so der Präsident des Päpstlichen Medien-Rates. Jetzt müsse er jedoch leider sagen, dass nur das Suffix "va" Authentizität garantiere. "vatican.com" und "vatican.org" haben nichts mit dem Heiligem Stuhl zu tun.

Für umgerechnet rund 980 Schilling kann man Domain-Namen von der Firma "Network Solutions" kaufen. "Network Solutions" kontrolliert die weltweite Vergabe von allen Suffixen ".com", ".org" und ".net". In manchen Fällen ist diese Namensbesetzung jedoch zeitlich begrenzt. Auch ist nach Angaben von Firmensprecherin Nancy Huddleston eine Klage gegen den unrechtmäßigen Gebrauch eines Namens möglich. Bislang sei ihr jedoch noch kein Fall vorgekommen, so Huddleston. Ob die vatikanischen Domain-Namen zum Verkauf stehen, weiß sie nicht zu sagen.

Zwei Italiener haben sich die Domain-Namen "vaticano.org" und "vaticano.com" unter den Nagel gerissen und denken derzeit nicht an einen lukrativen Verkauf. Einer der beiden erklärte gegenüber Journalisten, er wolle auf der Seite "www.vaticano.com" nützliche "und mit allem Respekt" formulierte Informationen über den Vatikan darbieten. Er erhofft sich jedoch reichlich Werbung, da ein reger Besuch der "Web-Site" zu erwarten sei. Giancarlo DeMenna, stolzer Mitbesitzer von "www.vaticano.org", will auf seiner noch im Aufbau befindlichen "Web-Site" über die vatikanischen Museen informieren, insbesondere über wenig bekannte Exponate.

DeMenna lehnt den Ausdruck "Internet-Namensbesetzer" strikt ab, weist jedoch nicht zurück, dass er auf gute Einnahmen durch den Namen hofft. Seine Firma habe sich auf den Kauf von aussagekräftigen Domain-Namen spezialisiert, um diese dann zu "Web-Sites" auszubauen mit dem Ziel, lukrative Werbeverträge abzuschließen.

Er hat keinerlei ethisch-moralisch Bedenken, mit einem vatikanischen Domain-Namen Geld zu machen. Auch weist er den Vorwurf, unbedarfte Internet-Surfer in die Irre zu leiten, weit von sich. "Jeder Surfer kann von meiner privaten 'Web-Site" über einen Link zum Vatikan weiterwandern", sagt er. Außer Werbeeinnahmen könnten die Cyberbesetzer jedoch auf keine Reichtümer hoffen. "Wir haben kein Interesse am Aufkauf dieser Domain-Namen", sagt Stefano Pasquini, Mitarbeiter im vatikanischen Internet-Büro, kategorisch. (APA)

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