Wie der Mensch zum Fleisch- und Brotesser wurde

21. Oktober 2003, 11:59
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Forscher konstatieren am Beispiel Britische Inseln: Grundlegender Wandel erfolgte rapide

London/Wien - Die Menschen in den westlichen Industrieländern essen viel zu viel Fett - von Landtieren. Auf der anderen Seite sind zahlreiche Fischarten von der Überfischung akut bedroht. Fisch insgesamt gehört zu den ältesten Protein-Lieferanten des Homo sapiens. Wie schnell der Mensch allerdings im Laufe seiner Geschichte auf Fleisch und Ackerbauprodukte umstieg, haben vor kurzem britische Wissenschafter bewiesen.

Laut Isotopenuntersuchungen von Knochenresten geschah das rund 4.000 vor Christus binnen kurzer Zeit - als der Mensch auf Landwirtschaft und Sesshaftigkeit umstieg.

"Schneller und kompletter Umstieg"

Lange Zeit stritten die Archäologen, ob der Übergang vom Mesolithikum zum Neolithikum beispielsweise in Großbritannien vor 4.500 bis 5.200 Jahren rapide oder im Rahmen eines Zeitraums von rund 1.000 Jahren vor sich ging. Michael P. Richards und seine Co-Autoren vom Institut für Archäologie der Universität Bradford in Großbritannien kamen in der Wissenschaftszeitschrift "Nature" (25. September) nach umfangreichen Forschungsarbeiten zu folgendem Schluss:

"Wir können Ergebnisse aus den Messungen von stabilen Kohlenstoff-Isotopen in Knochenfunden vorlegen, um die Ernährungsgewohnheiten der Briten im Neolithikum und davor zu untersuchen. Wir haben Zeichen eines schnellen und kompletten Umstiegs von einer 'marinen' auf eine 'terrestrische' Ernährung festgestellt. Das erfolgte offenbar sowohl bei den Menschen, die an der Küste wohnten, als auch bei jenen, die im Landesinneren siedelten."

Messmethoden

Kohlenstoff-Isotopen-Messungen werden seit langem zur Altersbestimmungen von organischen Relikten verwendet. Die Verteilung der unterschiedlichen C-Isotopen im Knochen von Menschen und Tieren gibt Hinweise auf die Nahrung. So unterscheiden sich die Kohlenstoffisotope von Pflanzen und Landtieren deutliche von jenen, die aus den Fischen stammen.

Genau diese Merkmale nutzten die britischen Wissenschafter: Sie untersuchten mit der Methode 164 Knochenproben aus einem Zeitraum vor 5.200 bis 4.500 Jahren und verglichen sie mit den Daten von 19 Proben aus einer Zeitperiode von vor 9.000 bis 5.200 Jahren. Die jüngeren Funde stammten klar aus dem frühen Neolithikum, die älteren aus dem Mesolithikum. Verglichen wurden auch die Funde aus den Bereichen vom Meer bis zehn Kilometer ins Landesinnere und jenen aus meeresferneren Regionen.

Migration ins Landesinnere

Die Wissenschafter: "Die Attraktion, die von dem neuen agrarischen Lebensstil ausging, muss offenbar so stark gewesen sein, dass sie auch die Küstenbewohner dazu bewog, ihren bis dahin erfolgreichen Fischfang aufzugeben." Nutzpflanzen und Viehzucht ersetzten offenbar den wahrscheinlich im Ertrag mit größerer Unsicherheit behaftete Fischfang. Dies dürfte nicht nur auf den britischen Inseln so gewesen sein. Laut den Fachleuten liegen ähnliche Ergebnisse auch schon aus Dänemark vor. (APA)

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