"Im Schatten der Macht"

23. Oktober 2003, 20:31
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Die letzten Tage des ehemaligen deutschen Kanzlers Willy Brandt im TV - Sein Sohn spielt den Spion Guillaume

Der Zweiteiler "Im Schatten der Macht", für die ARD das fiktionale TV-Ereignis im Jahre 2003, ist ein ungewöhnlicher Film. Ausgerechnet Willy Brandts Sohn Matthias spielt in einer Hauptrolle den Kanzleramtsspion Günter Guillaume, dessen Entlarvung den deutschen Kanzler 1974 zum Rücktritt zwang.

Und genau um diese letzten 14 Tage seiner Amtszeit geht es in dem Zweiteiler, in dem Michael Mendl den SPD-Politiker in einer Zeit spielt, als er im Ausland wegen seines Friedensnobelpreises (1971) noch hohes Ansehen genießt, im Inland bereits scharf kritisiert wird.

Die ARD habe sich für einen Film und nicht für eine Dokumentation entschieden, weil viele Vorgänge aus der Zeit gar nicht dokumentierbar seien, so zum Beispiel das entscheidende Gespräch zwischen Brandt und Herbert Wehner.

Einer der größten politischen Skandale der Bundesrepublik Deutschland

Die Affäre Guillaume gilt als einer der größten politischen Skandale der Bundesrepublik Deutschland. "Politiker sind Persönlichkeiten, die man nicht vergessen kann", sagt Produzentin Ziegler. "Willy Brandt hat mich immer fasziniert." Matthias Brandt bekennt, dass er um die Rolle des DDR-Spions gekämpft hat. Als damals Zwölfjähriger habe er vor allem die private Seite rund um die Affäre erlebt. "Ich fand es interessant, dass man über Guillaume eigentlich nicht so viel weiß", sagt Brandt. "Mich hat die Doppelloyalität Guillaumes zu meinem Vater auf der einen und zur DDR auf der anderen Seite fasziniert."

Mit der Darstellung der Reaktion des privaten Umfelds sowie Willy Brandts eigener Gefühle auf den Skandal zeichnet Regisseur Oliver Storz ein differenziertes und authentisches Porträt des Politikers. "Der Film ist ein Versuch, Brandt als Menschen auch von innen zu zeigen und den Zuschauer unmittelbar in diesen Menschen mit hinein zu nehmen", sagt Storz.

Arte sendet am Donnerstag nach dem ersten Teil um 22.15 Uhr Peter Merseburgers Dokumentation "Willy Brandt - eine Jahrhundertgestalt" und um 23.50 Uhr die Diskussion "Sozialismus gestern, heute... und morgen?". (APA/dpa)

"Im Schatten der Macht"

23. und 24. Oktober (20.45 und 20.40 Uhr) bei Arte, ARD zeigt den Film am 29. und 30. Oktober jeweils um 20.15 Uhr.

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