IT-Markt harrt des Aufschwungs

29. Oktober 2003, 10:54
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Eine Chronologie enttäuschter Hoffnungen - Auch Siemens-Vorstand Jung und Nokia-Chef Ollila lagen weit daneben

Seit dem Platzen der "New Economy-Blase" zu Beginn des Jahres 2000 ist immer wieder die Rede davon, dass "die Talsohle in der IT- und Telekom-Branche durchschritten ist". Ein genauer Blick auf aktuelle Unternehmens- und Branchenzahlen kann diese Hoffnung jedoch nicht bestätigen. So betonte erst vor wenigen Tagen der deutsche Branchenverband Bitkom, dass sich der deutsche und westeuropäische Markt langsamer von seiner Talfahrt erhole als bisher erwartet.

Prognosen

Für Deutschland erwartet die Bitkom für heuer ein Nullwachstum, Mitte Juli hatte hatte der Verband noch ein Wachstum von bestenfalls 0,5 Prozent in Aussicht gestellt. Ende 2002 hatte Bitkom-Vizechef anlässlich der Eröffnung der Fachmesses "Systems" noch zuversichtlich gemeint: "Wir dürfen jetzt nicht den Fuß vom Gaspedal nehmen."

Abgefunden

Und auch die weltweiten Branchenführer haben bereits die rosa Brille abgesetzt: Der weltgrößte Satellitenkonzern und Astra- Betreiber SES Global rechnet nach einem weiteren Rückgang bei Umsatz und Gewinn in diesem Jahr erst für 2004 mit einem Aufschwung.

Dabei hatte sich die Branche und die Politik noch vor der weltgrößten Computermesse CeBIT im Frühjahr 2003 bewusst optimistisch gegeben. "Der Prozess der Konsolidierung der Branche mit durchaus guten und seriösen Wachstumsraten ist eingeleitet und wird erfolgreich sein", prognostizierte der deutsche Regierungschef Gerhard Schröder (SPD) bei einem Rundgang über die CeBIT. "Die Informations- und Kommunikationsindustrie ist nicht tot", assistierte Siemens-Vorstand und Bitkom-Präsident Volker Jung.

Erwartung

Dieser meinte wenige Monate zuvor gar, dass die Branche im Jahr 2003 wieder mit ähnlich starken Wachstum wie vor dem Konjunktureinbruch rechne, ein Wachstum von 8,6 Prozent sei möglich - nur zur Erinnerung: Knapp vor Jahresende 2003 ist die Branche bei einem Nullwachstum angekommen.

Auch daneben

Nokias-Konzernchef Jorma Ollila erklärte auf der CeBIT 2003, dass sein Unternehmen mit einem Aufschwung im zweiten Quartal 2003 rechnet. Bis heute ist Nokia mit keinem UMTS-Handy in Österreich vertreten. Gleiches gilt auch für Mitbewerber Ericsson, der zumindest bei den Prognosen sehr zurückhaltend war. "Wir glauben nicht, dass sich der Markt verschlechtert hat, aber die Marktschwäche hält länger an. Es ist möglich, dass es im nächsten Jahr nicht aufwärts geht", so Ericsson-Chef Kurt Hellström bereits vor einem Jahr.

Warten

Besonders optimistisch war die Chefin der Wiener IT-Messe Exponet, Krassimira Bojinowa, vor dem Messestart im Februar 2002. Sie meinte gar "die gesamte Branche gewinnt wieder an Selbstvertrauen". Und so gilt heute noch, was Apple-Deutschland-Chef Frank Steinhoff bereits im Frühjahr 2002 sagte: "Die gesamte Branche wartet derzeit auf den Aufschwung." (APA)

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