"Schmeckt einfach nach Banane"

23. Oktober 2003, 18:16
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Trans-Fair-Chef Lenhart über das "Geschäft" mit Entwicklungshilfe - Auch große Konzerne springen auf die Fair-Trade-Idee auf

Wien - "Die Österreicher sind sehr offen für das Thema Entwicklungshilfe. Es ist nicht schwierig, die Menschen zu begeistern. Es ist schwierig, sie zu informieren", erklärt Leon Lenhart, der Geschäftsführer von Trans Fair Österreich, anlässlich des UN-Welttages zur Information über Entwicklungsfragen am morgigen Mittwoch.

Dabei ist Trans Fair mit der starken Marke "Fair Trade" in einer relativ guten Lage. Damit werden in Österreich heuer geschätzte 5,8 Mio. € um- gesetzt werden, das ist ein Wachstum von 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Wichtigste Produkte sind Bananen (2,3 Prozent Marktanteil in Österreich) und Kaffee (1,6 Prozent). - Zum Vergleich: Im Fair-Trade-Musterland Schweiz liegt der Kaffee-Marktanteil bei fünf Prozent.

Konzerne machen mit

"Das Problem ist oft, dass es zu wenig Zeit gibt, den Menschen klarzulegen, welche Auswirkungen ihre Konsumentscheidungen haben können", so Lenhart. Trinken bloß zehn österreichische Verbraucher übers Jahr Fair-Trade-Kaffee, ermöglichten sie etwa einer Bauernfamilie in Nicaragua ein anständiges Auskommen.

In letzter Zeit allerdings, freut sich Lenhart, sprängen immer mehr auch große Konzerne auf die Fair-Trade-Idee auf. Spar und Billa integrierten Produkte in ihre Bio- linien; Starbucks, Procter&Gamble und United Fruits versuchten vom Fair-Trade-Image zu profitieren.

Im nächsten Jahr will die Marke - auch mit der Marketingpower dieser Konzerne - ihren Umsatz um 35 Prozent erhöhen. Das beste Argument für die Schätzungen ist laut Lenhart aber immer noch die Qualität der Produkte: "Die Fair-Trade-Banane schmeckt einfach nach Banane." (pra, Der STANDARD, Printausgabe, 21.10.2003)

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    foto: photodisc
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