Hubert Gorbach - Personalreserve wird Vizekanzler

23. Oktober 2003, 18:39
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"Die Beschten aus dem Weschten für die Poschten im Oschten" - das ist einer der Lieblingssprüche von Hubert Gorbach, der für jede Gelegenheit Sprichwörter und Bauernregeln parat hat. Und natürlich zählt sich der ehrgeizige Vorarlberger auch selbst zu den herausragenden "Westlern" - der jetzt vor der schwierigen selbst gesetzten Aufgabe steht, als neuer Vizekanzler die FPÖ in der Regierung zu "stabilisieren".

Nicht, dass Gorbach bisher nicht ausgelastet gewesen wäre: Im riesigen Infrastrukturministerium hat er sich seit Ende Februar mit ÖBB, Transit, Post, Teilen der Forschung - und seinem eigenwilligen und vorlauten VP-Staatssekretär Helmut Kukacka herumzuschlagen. Dennoch hat sich Vielarbeiter Gorbach als Infrastrukturminister - zumindest im Vergleich mit seinen glücklosen blauen Vorgängern - wacker geschlagen. Zudem ist er im Gegensatz zu Vizekanzler Herbert Haupt und dessen Satzungetümen zu Aussagen in wirklicher Klarheit fähig - und nicht zuletzt bei der ÖVP wegen seiner gemäßigt-umgänglich-pragmatischen Art wesentlich beliebter als andere Blaue, etwa Justizminister Dieter Böhmdorfer.

Und so ist der 47-jährige Gorbach im Vizekanzleramt und an seinem Karrierehöhepunkt angelangt. Sachpolitik und Koalitionsarbeit hat der frühere Exportmanager seit 1993 als Vorarlberger Landesrat und seit 1999 als Vizelandeshauptmann gelernt. Konstruktiv nannte die ÖVP seine Politik, Kuschelkurs schimpften manche in der FPÖ. Jedenfalls hat die wirtschaftsliberale Prägung Gorbachs ihm zwar zu dicker Freundschaft mit Thomas Prinzhorn verholfen, ihn in der FPÖ aber nicht weiter als bis zur ewigen Personalreserve aufsteigen lassen. Erst 2003 gelang Gorbach endlich der Wechsel nach Wien.

Dort ist dem geschmeidigen Schnauzbartträger das seltene Kunststück gelungen, sowohl Jörg Haiders Lob auf sich zu ziehen, als sich auch mit Haupt gut zu stellen. "Chamäleon" nennen ihn manche Blaue wegen dieser Loyalität zum jeweiligen Chef. In der Tat war der mediengewandte Gorbach Bussi-Bussi mit Susanne Riess-Passer, früher einmal Unterstützer von Norbert Steger, dazwischen manchmal in der Rolle des Haider-Kritikers - um jetzt wieder näher zu Haider zu rücken. Allerdings nicht ideologisch, denn Gorbach wechselt zwar geschmeidig - Sozial-Freiheitlicher war er aber nie.

Und so zweifeln manche, ob der Hobbyreiter den Parforceritt, sich als Vizekanzler mehr gegen die VP durchzusetzen, bewältigt: nicht nur wegen seiner Harmoniesucht, sondern wegen seiner Nähe zur VP. Hat doch der zweifache Vater weder Vorlieben für Vulgärpopulismus noch für den kleinen Mann gezeigt. Sondern für, wie Gorbach es leutselig mit einem Sprichwort sagen würde: "Schaffa, schaffa, Hüsle baua." (Eva Linsinger /DER STANDARD, Printausgabe, 21.10.2003)

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