Solschenizyn wehrt sich gegen Kritiker-"Hetze"

27. Oktober 2003, 19:04
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Autor meldet sich über die Medien zu Wort

Moskau - Der russische Literaturnobelpreisträger Alexander Solschenizyn ("Archipel Gulag") wehrt sich gegen "Angriffe und Hetze" von Kritikern seines jüngsten Werkes über die Geschichte der Juden in Russland. "Die kurze Lebensfrist, die mir bleibt, zwingt mich zu antworten", schrieb der kranke 84-jährige Schriftsteller in der Moskauer "Literaturnaja Gaseta". Der Artikel sei die erste Publikation Solschenizyns in russischen Medien seit Jahren, meldete die Agentur Interfax am Montag.

Kritikpunkt: Solschenizyn vertritt These, Juden in Russland trügen eine Mitschuld an der Sowjetherrschaft

Der weltberühmte Autor hatte in seinem zweibändigen Werk "Zweihundert Jahre zusammen" (deutsch bei Langen Müller Herbig, München/2002) die These vertreten, die Juden in Russland trügen eine Mitschuld an der Sowjetherrschaft. In Russland wie im Ausland reagierte die Kritik gespalten auf Solschenizyns Aufruf an die Juden zur Buße.

Seit dem Erscheinen des Buches werde er verleumdet, schrieb der Autor jetzt. Einige Kritiker unterstellten ihm "jüdische Wurzeln". Andere wollten ihn "des Antisemitismus, des Vaterlandsverrates, der Mitarbeit mit der (Nazi-Geheimpolizei) Gestapo überführen". In der Kritik würden die "in 30 Jahren der Hetze gegen mich verwendeten Methoden des KGB" wiederbelebt, erklärte Solschenizyn. (APA/dpa)

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