Lehrergeneration verabschiedet sich in die Frühpension

23. Oktober 2003, 18:16
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Jetzt gehen und weniger kriegen oder lange warten und noch weniger haben: Hunderte Lehrer rechnen sich aus, dass der Vorruhestand derzeit für sie günstig ist

Wien/Graz/Innsbruck/St. Pölten/Eisenstadt – Für Lehrerinnen und Lehrer, die jetzt nicht in den Vorruhestand gehen, heißt es ab 1. Jänner 2004 lange warten, um danach noch höhere Abschläge in Kauf nehmen zu müssen. Viele verabschieden sich daher in die vorgezogene Pension.

Beim Wiener Stadtschulrat will man noch keine offiziellen Zahlen über bevorstehende Pensionierungen unter den Lehrern bekannt geben – mit Verweis darauf, dass die Frist für eine Frühpension mit Abschlägen zu optieren, noch bis Monatsende währt. Allerdings hält Matthias Meissner, Pressesprecher von Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl, die von der Gewerkschaft kolportierten Zahlen für plausibel. Dort spricht man von rund 700 Lehrern, die in den kommenden Monaten in Pension gehen werden. Meissner schätzt, dass davon rund 300 die AHS betreffen, 400 den Pflichtschulbereich.

Lehrerwechsel

Offen ist derzeit, wie der bevorstehende Lehrerwechsel organisiert werden sollen. Meissner sagt, man müsse abwarten, ob Junglehrer auf jene Posten nachrücken können, die frei werden. So gibt es beispielsweise für Deutschlehrer lange Wartelisten. Es ist aber nicht gesagt, dass ältere Deutschlehrer verstärkt in Pension gehen.

Meissner weist auf noch einen Umstand hin: Die Nachbesetzung dürfe erst erfolgen, wenn die Pensionsbescheide ausgestellt seien. Er hofft, dass der Wechsel zwischen in Pension gehenden älteren und nachrückenden Junglehrern Zug um Zug funktioniert. Sonst drohen lehrerlose Wochen in den Schulen. Mitten im Schuljahr eine derartige Pensionsregelung zu terminieren, sei ein echtes Problem, richtet Meissner seine Kritik an Bundesministerin Elisabeth Gehrer.

Im Burgenland hat das Schuljahr mit einer gesundheitspolitischen Überraschung begonnen. Rund 50 Lehrer haben sich in einen längerfristigen Krankenstand gemeldet, was da und dort zu Engpässen und den Schulreferenten Franz Steindl (ÖVP) zu der Weisung an den Landesschulrat geführt hat, dem gesundheitlichen Zustand dieser Lehrer nachzugehen.

Bis zum nächsten Semester wird sich, glaubt Steindl, die Situation entspannen. Wie viele Lehrer genau sich für das vorzeitige Ruhestandsmodell entscheiden werden, ist nur zu schätzen. Und Steindl schätzt, dass der bestehende Lehrerüberschuss "auf null reduziert wird, inklusive der Supplierreserven". Bis zum Halbjahreszeugnis müsse man noch mit Überstunden arbeiten, danach könnten "20 bis 30 Junglehrer" angestellt werden. Auf der Warteliste stehen allerdings 400.

Fragebogen

Steindl hat deshalb an diese Noch-nicht-Lehrer einen Fragebogen geschickt, mit dessen Hilfe bis 27. Oktober der tatsächliche Bedarf eruiert werden soll. Parallel dazu erarbeitet der Landesschulrat klare Aufnahmeregelungen. Wo immer nämlich Posten zu vergeben sind, ist der Verdacht politischer Packelei nicht fern.

In Niederösterreich haben sich bis Montag 380 Lehrerinnen und Lehrer für die Möglichkeit des Vorruhestands ausgesprochen: 250 aus dem Pflichtschulbereich, 130 aus höheren Schulen. Im Landesschulrat in St. Pölten rechnet man bis zum Stichtag Ende Oktober noch mit "zehn bis 15 Prozent Anträgen mehr".

Für den amtsführenden Landesschulratschef Adolf Stricker besteht "kein Grund zur Sorge". Einwände wie von FP-Bildungssprecherin Mares Rossmann, die Probleme bei der Nachmittagsbetreuung befürchtet, teilt Stricker nicht. Im neuen Schuljahr sei "jeder diesbezügliche Antrag in den 60 Schulstandorten, die eine solche Betreuung anbieten, positiv beschieden worden."

Unnatürliche Alterspyramide korrigieren

Ganz im Gegenteil: Es sei eine "Chance, die sehr unnatürliche Alterspyramide unter Lehrern" zu korrigieren. Nur 25 Prozent der Unterrichtenden in Niederösterreich seien unter 45 Jahre, da wäre eine "schrittweise Verjüngung nicht schlecht".

In der Steiermark haben bis jetzt rund 500 Lehrerinnen und Lehrer ihre Bereitschaft bekundet, vorzeitig in den Ruhestand zu gehen. Der Ausfall werde sich aber nur marginal bis gar nicht auf die Warteliste auswirken, heißt es im Landesschulrat. Denn mit dem Ausscheiden der Lehrer werde lediglich der "Überhang", die überzähligen Posten, abgebaut. In der Steiermark warten insgesamt rund 1400 Junglehrer auf einen Job.

In Tirol gehen mit Dezember insgesamt rund 140 Lehrerinnen und Lehrer in Pension. Viele teilzeitbeschäftigte Lehrer werden nun volle Lehrverpflichtungen erhalten, Neuanstellungen wird es, wenn überhaupt, nur vereinzelt geben. (aw, bri, bs, mue, wei, DER STANDARD, Printausgabe, 21.10.2003)

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    In etlichen Schulen wird es im Dezember einen Lehrerwechsel geben. Viele Lehrerinnen und Lehrer nehmen die Möglichkeit wahr, heuer noch in Frühpension gehen zu können.

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