Totaler Fang-Stopp für Kabeljau in Europas Nordmeeren empfohlen

21. Oktober 2003, 00:00
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Experte: "Es herrschen mittlerweile dramatische Zustände" + Kopf des Tages

Kopenhagen/Hamburg - Der Internationale Rat zur Erforschung der Meere (ICES) hat dringend einen vollständigen Stopp des Kabeljau-Fangs in der Nordsee, der Irischen See und westlich von Schottland empfohlen. "Die Bestände sind auf so niedrigem Niveau, dass wir uns gezwungen sahen, einen Fangstopp zu empfehlen, um den Beständen eine kleine Ruhepause zu ermöglichen", sagte ICES-Generalsekretär David Griffith am Montag in Kopenhagen. Auch der Fang von Fischen wie Scholle, Seezunge und Wittling, bei denen Kabeljau als unerwünschter Beifang ins Netz geht, sollte auf unbestimmte Zeit eingestellt werden.

"Es herrschen mittlerweile dramatische Zustände", sagte der Direktor des Instituts für Seefischerei der Bundesforschungsanstalt für Fischerei in Hamburg, Gerd Hubold. "Der Bestand ist so klein, dass sich nicht mehr vorhersagen lässt, wie er sich entwickelt, oder ob er sich erholt." Der Plan der EU-Kommission, die Fangtage zu beschränken, sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung. "Es besteht jedoch die Gefahr, dass die Flotten auch mit reduzierten See-Tagen mehr fangen können, als der Bestand verträgt."

Auch Schutz der Fischerei

Der ICES, in dem derzeit 19 Staaten organisiert sind, gibt jährliche Empfehlungen unter anderem an die Europäische Kommission. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Gremium einen Kabeljau-Fangstopp empfohlen, betonte Hubold. Die Kommission hatte im Mai dann einen langfristigen Plan zur Rettung der Bestände vorgeschlagen. In der Ostsee war der Kabeljau-Fang im vergangenen Sommer verboten.

Mit der sehr großen europäischen Fischereiflotte sei es jedoch praktisch nicht möglich, die Schiffe überhaupt aufs Meer zu lassen und gleichzeitig die Bestände zu schützen, sagte Hubold. Ein grundsätzliches Problem sei, dass für die Fangquoten nur die angelandeten Fische gewertet würden, nicht aber der unerwünschte Beifang, der wieder über Bord geworfen werde. Auch die Scholle in der Nordsee hat sich laut ICES einem historischen Bestandstief genähert. Der Rat forderte daher auch einen Plan zur Erholung der Schollenbestände.

Hubold betonte, es gehe bei diesen Empfehlungen auch um einen Schutz der Fischerei. Die Fischarten würden die derzeitige Übernutzung vermutlich überleben, wirtschaftlicher Fischfang drohe jedoch durch die übermäßige Ausbeutung unmöglich zu werden. (APA/dpa)

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