Radikale Zürcher setzen sich in der SVP durch

21. Oktober 2003, 17:04
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Wegen des zweiten Bundesratssitzes wird innerparteilich heftig und bitter gestritten

Bern – "Die politische Situation des Landes ist dermaßen ernst, dass nur der beste Politiker für die notwendigen Reformen gut genug sein kann", heißt es bei der SVP-Führung. Neben dem amtierenden SVP- Verteidigungsminister müsse ein zweiter SVP-Mann in den Bundesrat. Und für diesen Job komme nur einer in Frage: Christoph Blocher.

Falls das Parlament die Forderung der SVP nicht erfülle, dann gehe man in die Opposition, drohte der Parteivorsitzende Ueli Maurer. Doch nicht nur bei den anderen Parteien stieß Maurer damit auf Widerstand, sondern auch parteiintern: Der Graben zwischen den starken SVP-Kantonalsektionen in Zürich und Bern ist wieder aufgebrochen.

In Zürich, wo Blocher seine Hochburg hat, ist die SVP mit knallharter Oppositionspolitik erfolgreich; in Bern ist sie eine traditionsreiche Regierungs- und Staatspartei, die in Regierung und Verwaltung gut verankert ist und deshalb auch etwas gemäßigter auftritt. Aus dieser Berner SVP stammt auch Samuel Schmid; für Blocher ist er deshalb "nur ein halber SVP-Bundesrat", da er nicht immer die reine Lehre der SVP vertritt.

Der Vorsitzende der Berner SVP, Hermann Weyeneth, sprach im Schweizer Rundfunk denn auch von einem "gefährlichen Vorstoß" der Herren Maurer und Blocher: Dieser Coup könnte Bundesrat Schmid seinen Sitz kosten. Und der Vorsitzende der Aargauer Kantonalpartei, Hans- Ulrich Mathys, warnte davor, nun "wie der Elefant im Glashaus" aufzutreten. Man dürfe auch nach dem klaren Wahlerfolg jetzt nicht übertreiben.

"Blöde Frage"

Christoph Blocher dagegen goss am Montag noch mehr Öl ins Feuer: "Wir werden Schmid wieder aufstellen, wenn er die SVP-Linie vertritt, sonst nominieren wir jemand anderen", sagte er. Auf die Frage, ob es ihm wirklich ernst sei mit einer Bundesratskandidatur, sagte Blocher: "Sehr ernst. Ich weiß gar nicht, warum man auf eine so blöde Fragestellung kommen kann. Wir machen nur Sachen, die ernst gemeint sind." (kbo/DER STANDARD, Printausgabe, 21.10.2003)

  • Für den SVP-Vorsitzenden Ueli Maurer kann es nur einen geben, der für das zweite Bundesratsmandat der SVP in Frage kommt: Christoph Blocher.
    foto: epa/walter bieri

    Für den SVP-Vorsitzenden Ueli Maurer kann es nur einen geben, der für das zweite Bundesratsmandat der SVP in Frage kommt: Christoph Blocher.

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