Afghanistan: Taliban-Kommandant festgenommen

21. Oktober 2003, 16:46
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Entlassene Offiziere fordern Jobs´- Taliban bieten Verhandlungen an

Kabul - Alliierte Kräfte, unterstützt von afghanischer Miliz, haben einen führenden Taliban-Kommandanten festgenommen. "Mullah Janan wurde Sonntagnacht von Spezialkräften der Koalition im Bezirk Deh Rawod in der Provinz Urusgan gefasst", teilte Oberst Rodney Davis am Montag in einer schriftlichen Erklärung im Hauptquartier Bagram mit. Mullah Janan wird für Raketenüberfälle auf Stützpunkte der Alliierten in der Zentralprovinz Urusgan verantwortlich gemacht. Er wurde gefasst, als er versucht habe, aus der Provinz zu fliehen. Urusgan war vor dem Sturz der Taliban im Dezember 2001 eine der Hochburgen der Taliban.

Offiziere fordern neue Jobs

Hunderte entlassene Offiziere sowie andere Beschäftigte der afghanischen Streitkräfte haben am Montag für neue Arbeitsplätze demonstriert. In einer Protestaktion vor der Vertretung der Vereinten Nationen in Kabul verlangten sie ferner einen Ausgleich für den Einkommensverlust, den sie seit der Umstrukturierung des Verteidigungsministeriums erlitten haben. Es war bereits die zweite Demonstration dieser Art binnen zwei Wochen. Zu Ausschreitungen kam es nicht.

"Wir wollen unser Gehalt"

"Wir haben keine politischen Ziele! Wir wollen nur unseren Job zurück, und wir wollen unser Gehalt!" skandierten die rund 300 Protestierenden. Das Verteidigungsministerium hat allerdings schon klargestellt, dass die Kündigungen nicht mehr rückgängig gemacht würden. Die Umstrukturierungen sollten unter anderem dazu dienen, einen Ausgleich der diversen ethnischen Gruppen in den Streitkräften herzustellen.

Einem Ministeriumssprecher zufolge werden im Zuge der Reformen mehr als 50.000 Angehörige der Streitkräfte ihren Posten verlieren. 20.000 von ihnen seien in den vergangenen zehn Monaten bereits entlassen worden. Ein UNO-Sprecher erklärte, man habe die Beschwerden der Demonstranten zur Kenntnis genommen und werde prüfen, wie man ihnen helfen könne.

Taliban bieten Verhandlungen an

Abgesandte der afghanischen Taliban-Miliz haben der Zentralregierung in Kabul nach offiziellen Angaben Verhandlungen angeboten. Die Miliz sei bereit, "ihr Bestes zu tun, um mit der Regierung zusammenzuarbeiten", sagte ein Sprecher von Präsident Hamid Karsai am Montag in Kabul. Bei den Taliban-Mitgliedern, die den Angaben nach zu einem unbekannten Zeitpunkt Kontakt mit der Kabuler Regierung aufnahmen, handle es sich um gemäßigte Vertreter der Ende 2001 gestürzten religiösen Herrschaft. Die Regierung habe noch nicht über eine Antwort auf das Gesprächsangebot entschieden, sagte der Sprecher weiter.

(APA/dpa)

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    Ehemalige Armeeangehörige protestieren in Kabul

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