Feuerwehrmanager am Sprung

1. April 2004, 19:46
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Sie kommen zum Restrukturieren, Sanieren und Krisen bewältigen für kurze Zeit ins Unternehmen: die Interim-Manager

Sie kommen zum Restrukturieren, Sanieren und Krisen bewältigen für kurze Zeit ins Unternehmen: die Interim-Manager. Das Beratungsunternehmen Wentner-Havranek/ Deloitte & Touche will künftig zunächst einmal seinen Klienten diese in Österreich noch rare Spezies der Führungskräfte auf Zeit anbieten.

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Sie sind Feuerwehrmänner, die mit ganzem Einsatz löschen kommen, wenn's kräftig brennt, sagt einer, der es wissen muss: Peter Buisman, Mitbegründer der Interim Management Group bei Deloitte & Touche Niederlande.

Der Slogan der eifrigen niederländischen Löschtruppe klingt etwas pathetisch: "No past, no future. Now is the time, now is the moment", so die wackeren Helfer.

Schwedischer Trend

Der Trend zum Feuerwehrmann in der Chefetage stammt eigentlich aus Schweden, wo in den Sechzigerjahren Großbetriebe, die nach dem Krieg nicht mehr so richtig funktionierten, erstmals erfahrene Sanierer engagierten.

In den Niederlanden folgte man dem Trend in den Siebzigern während der ersten Ölkrise, in den 80er-Jahren schwappte die Interim-Ma- nager-Welle dann schließlich auch nach Deutschland, Großbritannien, Belgien und die Schweiz über.

Buisman ortet nun auch in der rot-weiß-roten Alpenrepublik genügend Potenzial für die Troubleshooter auf Zeit: "Sehen Sie sich doch nur die Libro-Pleite an - da wären wir sofort zur Stelle gewesen und hätten Krisenmanagement angeboten", meint er nachdenklich. Immerhin hat Buisman in Holland schon Meisterklassen für künftige Interim-Manager ins Leben gerufen.

Befristet "abgestellt" oder selbstständig

Ein Interim-Manager wird entweder von einem Beratungsunternehmen befristet "abgestellt" oder ist ein selbstständiger Berater auf Zeit. "Die Gründe für den Einsatz der befristet engagierten externen Helfer sind drohende Insolvenzen, Umsatzeinbrüche und fehlende Nachfolgere- gelungen vor allem im Mittelstand", sagt Gundi Wentner, geschäftsführende Gesellschafterin von Wentner-Havranek/Deloitte & Touche.

Auch bei unseren deutschen Nachbarn ziehen immer häufiger Interim-Manager in die Chefetagen ein. Dort sei der Markt für Interim-Management Mitte der 80er-Jahre mit den ersten großen Sanierungsfällen entstanden.

"Der Manager auf Zeit ist ein Spezialist und muss über die Branche, das Umfeld der Branche und die neuesten Trends Bescheid wissen", konstatiert Wentner, "er hat keine Zeit für eine Bewährungsprobe, sondern muss in wenigen Wochen ein Unternehmen von Grund auf sanieren." Dafür berappt der Interim-Manager im Schnitt an die 1500 Euro pro Tag.

Tausend aktive

Besonders gefragt sind die Experten seit dem Niedergang der Technologieunternehmen des Neuen Marktes: "Dort sehen wir einen fehlenden Erfahrungsschatz im Tagesgeschäft", sagt Buisman. Laut Schätzungen haben Interim-Manager "allein in den vergangenen Jahren Hunderttausende von Arbeitsplätzen in Großindustrie und Mittelstand gerettet". Immerhin gibt es in Deutschland bereits an die 6000 Interim-Manager, davon geschätzte 1000 aktive.

Um dem Unternehmen und dem Interim-Manager eine gewisse Rückendeckung zu geben, werden künftig auch so genannte "Schattenmanager" von Wentner-Havranek engagiert. "Sie haben die Funktion eines Coaches der Vorstände und der Manager auf Zeit", erklärt Gundi Wentner, die künftig Interim-Manager zunächst einmal ihren Kunden anbieten will. (Judith Grohmann, DER STANDARD Printausgabe, 18./19.10.2003)

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