Ex-Kulturstadtrat grollt

22. Oktober 2003, 13:12
posten

Marboe rechnet mit roter Kulturpolitik ab und gibt kulturelle Perspektiven für Wien

Wien - Zum Rundumschlag holte am Montag Stadtrat Peter Marboe (V) bei einer Pressekonferenz über "Neue kulturelle Perspektiven für Wien" aus. Zunächst äußerte er einen "Appell via Medien" an die Regierung: "Wien wird bald keine Stadt der bildenden Kunst mehr sein". Er verlange daher die Schaffung eines Gesetzes zur Förderung bildender Kunst im öffentlichen Raum, und von Kunst am Bau. Weiters ortete er Versäumnisse Wiens bei der Europäisierung der urbanen Kulturpolitik. Auch mit der kommunalen Musikausbildung ging Marboe hart ins Gericht: Er fordert ein neues Musikschulgesetz.

"Ich sehe wirklich keinen Grund, warum das nicht so sein könnte"

"Schon während meiner Amtszeit in der Koalition mit der SPÖ war es nicht möglich, entsprechende Anträge zur Kunstförderung im öffentlichen Raum durchzubekommen", erinnerte er sich. Dabei existierten in den meisten anderen Bundesländern ähnliche Regelungen bereits. "Niederösterreich etwa brachte in diesem Jahr 800.000 Euro für junge Künstler auf". Zur Finanzierung meinte Marboe, Basis wäre die Festlegung, ein Prozent der Nettoerrichtungskosten der Gemeinde Wien für Kunst in der Stadt zu verwenden (derzeit etwa 2 Millionen Euro). Die jeweilige Summe solle in einen Pool fließen. Eine unabhängige Jury könne über die Vergabe entscheiden. Marboe: "Ich sehe wirklich keinen Grund, warum das nicht so sein könnte".

"Budgetäre Anreize schaffen"

Ein weiteres Defizit ortete Marboe in Versäumnissen der Stadt Wien bezüglich Europa-Fragen. Mit der EU-Teilnahme der nördlichen und östlichen Nachbarländer Österreichs müsse die Wiener Politik aktiver werden: "Wir brauchen budgetäre Anreize für unsere Galerien, um sich verstärkt in den Städten Mittel- und Osteuropas engagieren zu können". Das gelte auch für Ausstellungskuratoren, um den Austausch mit den unmittelbaren Nachbarn zu intensivieren. Auch im Bereich Theater gäbe es Möglichkeiten, etwa ein städtisch gefördertes Bonussystem, um Regisseure und Autoren verstärkt nach Wien einladen zu können. "Bildungs- und Kulturinstitutionen müssen mehr miteinander verflochten werden".

Stiefkind: musikalische Begabtenförderung in Wien

Eine weitere Forderung abseits der Tagesordnung wollte Marboe nicht unerwähnt lassen. "Zuletzt richte ich noch einen Appell an Vizebürgermeisterin Laska", so Marboe. "Es ist ein Grundrecht, eine kulturelle Ausbildung zu erhalten. Dazu gehört auch Musik. Nur in Wien ist das nicht so". Begabte Kinder würden hier im Gegensatz zu westlichen Bundesländern kaum gefördert. Dadurch gäbe es auch bereits einen Mangel an professionellem Wiener Nachwuchs, wie etwa bei den Philharmonikern. Marboe verlange ein neues Musikschulengesetz, so wie die Ausgliederung der Musikschulen.

"Sexistisch und unnötig"

Des Marboe'schen Grolls noch kein Ende: "Ach ja, worüber ich mich auch sehr ärgere, ist das neue Plakat der Vienna Citybikes, das ein weibliches Derriere darbietet. Es ist sexistisch und unnötig. Unglaublich, dass die Stadt Wien so etwas macht". (APA)

Share if you care.