Und wieder nagt die Motte

14. April 2004, 11:55
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Innsbrucker Forscher warnen vor Invasion - Gefahr für Linden besonders groß

Innsbruck - Vor einer Motteninvasion, die vor allem den Lindenbäumen zur Gefahr werden könnte, haben am Montag Innsbrucker Forscher gewarnt. Die erst 1963 aus Japan beschriebene Miniermotte sei bereits bis in die Südsteiermark vorgedrungen. Eine Ausbreitung in die westlichen Bundesländer stehe unmittelbar bevor, erklärte Peter Huemer von den Naturwissenschaftlichen Sammlungen des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum.

Die Mottenart habe bereits vor 20 Jahren über Sibirien Europa erreicht. Neuerdings finde "eine massive Invasion" des Kontinents statt und große Teile Osteuropas seien bereits Befallsgebiete. Im Jahr 2000 sei die österreichisch-tschechische Grenze erreicht worden und es gehe weiter.

"Bereicherung"

Österreichs Tierwelt sei um eine Motte reicher geworden. Der wenige Millimeter große Schmetterling zählt zur Familie der Faltenminiermotten. Seine Raupen bohrten in den Lindenblättern und würden charakteristische weiße, durch Gespinst aufgewölbte Flecken erzeugen. Bevorzugt fänden sich diese so genannten Blattminen an den unteren Ästen, vor allem an der Winterlinde. Die Generationenzahl sei noch unklar und scheine innerhalb des Verbreitungsgebietes zu variieren.

"Aliens" aus unterschiedlichsten Kontinenten würden in Österreich zunehmend zu einem Problem, berichtete Huemer. Die insgesamt 500 ausländischen Tierarten machten derzeit zwar erst ein Prozent der Fauna aus. Bei den Pflanzen seien es bereits 1.100 Arten oder 27 Prozent der Flora. Die Tendenz sei jedoch stetig ansteigend. Besonders bedenklich stimme die Experten die Tatsache, dass hier erstmals durch fremde Faltenminiermotten auch wild wachsende Bäume befallen würden.

Hoffnung auf Schlupfwespen

Früher eingeschleppte Arten der Gruppe würden ausschließlich an angepflanzten Gehölzen gefunden. So hätten allein in Österreich innerhalb weniger Jahre zwei Arten von Robinienminiermotten, Kastanienminiermotte, Feuerdornminiermotte und Platanenminiermotte neu registriert werden können. Die Lindenminiermotte sei sicher nur vorläufig das letzte Glied in dieser Kette. Auch die Rolle natürlicher Gegenspieler bleibe offen. Es bestünden aber berechtigte Aussichten, dass Schlupfwespen sich der neuen Nahrungsquelle vermehrt annehmen würden. In Kombination mit der erst im Spätsommer deutlich erhöhten Minenhäufigkeit dürfte sich der Schaden für die Linden damit "in Grenzen halten", meinte Huemer. (APA)

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