Gen-Mais besser als Raps und Rüben

24. Oktober 2003, 11:18
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Studie analysierte Auswirkungen von drei modifizierten Pflanzensorten auf die Umwelt - und fand Unterschiede

London - Keine einheitlichen Ergebnisse brachte eine von der britischen Regierung in Auftrag gegebene Studie über die Auswirkungen von gentechnisch veränderten (GV) landwirtschaftlich genutzten Pflanzen. In zwei Fällen - bei Rüben und Raps - kamen die Experten des Department for Environment Food and Rural Affairs (Defra) zu dem Ergebnis, dass sich die GV-Varianten negativ auf die Umwelt auswirkte, bei Mais war es allerdings umgekehrt.

Die Ergebnisse werden in den Entscheidungsprozess der Briten, ob GV-Pflanzen zugelassen werden, einfließen. Auch im österreichischen Landwirtschafts- und Umweltministerium wurde die Untersuchung mit Interesse aufgenommen und wird nun eingehend geprüft.

Mais erhöht Vielfalt

Die Studie war auf drei Jahre angelegt. Es sollte ergründet werden wie sich gentechnisch veränderte Raps-, Zuckerrüben- und Maissorten gegenüber herkömmlich gezogenen Kulturen auf die Umwelt auswirken. Dazu wurden auf Versuchsfeldern etwa Insekten - vor allem Schmetterlinge und Bienen - und Unkräuter, als Nahrungsgrundlage von Insekten, untersucht. Herbizide, nichts anderes als Pflanzengifte oder landläufig Unkrautvernichtungsmittel genannt, wurden dabei in jedem Fall eingesetzt.

Bei Raps und Zuckerrüben zeigte sich, dass in den GV-Feldern die Dichte an wild lebenden Insekten und Unkräutern geringer war, als in den herkömmlichen Feldern. Beim Mais waren die Ergebnisse allerdings umgekehrt, hier brachten die GV-Kulturen mehr Tiere und Unkräuter.

Macht Atrazin den Unterschied?

Bei den gentechnischen Veränderungen der Versuchspflanzen handelte es sich durchwegs um so genannte Herbizid-Resistenzen. Das heißt, die Pflanzen werden durch das Einschleusen von Genen gegen bestimmte Pflanzengifte unempfindlich gemacht. Anschließend kann das Gift dann weitgehend ohne Schaden gegen die jeweilige Kulturpflanzen eingesetzt werden. Andere Pflanzen werden dagegen vernichtet. In der herkömmlichen Landwirtschaft ist der Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln diffiziler.

Dass sich bei Raps und Zuckerrüben in den GV-Feldern weniger Unkräuter und Insekten fanden, war zu erwarten. Es bedeutet nichts anderes, als dass das GV-System effizient arbeitet. Das umgekehrte Ergebnis bei Mais wird nach erster Lektüre durch Experten des österreichischen Landwirtschafts- und Umweltministeriums unter anderem darauf zurück geführt, dass beim konventionellen Anbau das vielfach geächtete Herbizid "Atrazin" eingesetzt wurde. In Österreich ist dieses Mittel nicht zugelassen.

Global 2000 fordert sofortiges Verbot

Generell sieht man im Ministerium die Bedenken gegenüber GV-Pflanzen durch die Studie bestätigt. Es habe sich gezeigt, dass sich der Pollenflug bei Raps - also auch von GV-Raps - bis zu 26 Kilometer bemerkbar mache, hieß es dazu aus dem Büro von Landwirtschaftsminister Josef Pröll. Das würde sich besonders in einer klein strukturierten Landwirtschaft wie in Österreich bemerkbar machen. Das Kapitel GV-Pflanzen in der Landwirtschafts müsse auf jeden Fall auf EU-Ebene gelöst werden. Zuvor seien Probleme zu klären, wie das Nebeneinander von Gentechnik, konventioneller und Bio-Landwirtschaft, sowie diesbezügliche Haftungsfragen.

Global 2000-Vertreter forderten in einer Aussendung ein sofortiges Verbot von Gen-Raps und Gen-Rüben. Auf den GV-Rüben-Feldern gebe es laut britischer Studie 60 Prozent weniger Kräuter sowie weniger Schmetterlinge und Bienen, in den Rapsfeldern sogar 80 Prozent weniger Kräuter. Dadurch seien letztendlich auch Vögel wie die Lerche betroffen. (APA)

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