Wann kommen endlich die qualifizierten Teilzeitstellen?

20. Oktober 2003, 13:12
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Ein Leserinnenbrief zur aktuellen Teilzeit-Debatte

Idylle: Die Kinder wählen die Küche als ihren Lieblingsort. Die Große, weil sie dort auf ihrem Tisch patzen und malen darf, der Kleine, weil die Große da ist und am Boden immer wieder interessante Krümel zu finden sind. Nein, penible Sauberkeit herrscht nicht in der Idylle, besitzt man doch nur zwei Hände und weiß man doch außerdem um die gesundheitsfördernde Wirkung von Schmutz und Erde (in Maßen) bei Kindern; ich spreche da von der Verhinderung von Asthma und anderen allergischen Erkrankungen. Da hätten wir eine Schnittstelle Mutterschaft - Medizin!

So habe ich mir die Anwendung meines im Medizinstudium erworbenen Wissens jedoch nicht vorgestellt. Sie ahnen schon, eine ambivalente Haltung par excellence, die lehrbuchmäßig zur Entwicklung einer Neurose führen kann, sollte nicht rechtzeitig der Missstand aufgedeckt und beseitigt werden. Womit wir beim Thema wären. Das Hausfraudasein ist kein Honiglecken. Jeden Tag Nachtdienst, oberste Zuständigkeit für den Durst des Kleinen wie für die Steuererklärung des Größten. Ständiges Abwägen, was ist am dringendsten? Das Geschrei aus unbekannten Gründen von Seiten des Kleinen, das gefährlich nach "ich kippe gleich um!" klingt, das Klagen der Großen, sie hätte Durst, das kochende Wasser am inkriminierten Herd? Eine Frage des Haushaltsmanagements.

Und dies leitet uns zu einem wichtigen Argument dafür über, warum besonders in den ersten Lebensjahren, eine ganztägige Betreuungseinrichtung für kleine Kinder, so glaube ich, ungünstig sein kann. Zu lernen, wie man sich in bestimmten (Stress-) Situationen verhält, sei es plötzlicher Hunger beim Betreten eines Supermarkts oder Wut auf die Mama, die ungerecht war - dies können Kinder nur, meine ich, wenn es ihnen Personen ihres Vertauens vorleben. Sei es nun Mutter oder Vater, Oma oder eine langjährige Betreuungsperson. Und dies möglichst oft. Kinder brauchen Wiederholungen genauso wie Erwachsene. Insgesamt 4-6 Jahre Babypause gönne ich dafür meinen derzeitigen zwei Kindern, mit Ausflügen in die Grundlagenforschung.

Vielleicht wird meine störrische Haltung sogar verhindern, dass ich je eine vernünftige medizinische Ausbildung beginnen kann. Dann nämlich, wenn ich mir denke, es ist wichtiger, dass meine Kinder am Nachmittag im Kindergarten oder Hort kein Verlassenheitsgefühl packt, als dass ich meine Interessen in Form einer Vollzeittätigkeit ausleben kann. Sie meinen, ich solle mich nach einer Teilzeitstelle umsehen? Das ist für die Zeit der Turnus- oder Facharztausbildung derzeit laut Ärztegesetz (noch) nicht möglich (außer während der Karenzzeit). Ich liebe meine Kinder, ich liebe es, mit ihnen zu singen und Geschichten zu lesen, eine erwiesenermaßen die intellektuellen Fähigkeiten der Kinder steigernde Beschäftigung. Ich will aber auch meine Qualifikation beruflich einsetzen können. Ein Chef, der für eine Besprechung seine Amaryllis riskiert, von der flinke Babyhände Stücke abreißen wollen. Das ist gelebte Frauenförderung! Wann kommen endlich die qualifizierten Teilzeitstellen? Karrierelounge brauchen wir ebenso wenig wie Kochkurse.

Von Katharina Leithner
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