Hubert Gorbach - Sprung in die Regierungsspitze geschafft

21. Oktober 2003, 10:18
6 Postings

Integrationsfigur in Partei und Regierung

Wien - Infrastrukturminister Hubert Gorbach (47) hat den Sprung in die Regierungsspitze geschafft. Morgen, Dienstag, soll er als neuer Vizekanzler - und damit Nachfolger des glücklosen Herbert Haupt - angelobt werden. Seit Jahren war er für verschiedene bundespolitische Funktionen im Gespräch. Im Februar 2003 wurde der Vorarlberger in das Kabinett Schüssel II berufen, jetzt folgt der nächste Karrieresprung. Kompetenz und Unaufgeregtheit zeichnen den FPÖ-Politiker aus.

Gorbach gilt als deklarierter "Anti-Knittelfelder" und zählt zum wirtschaftsliberalen Flügel in der FPÖ. In den vergangenen Wochen und Monaten, in der die FPÖ öffentlich ein Bild der Zerrissenheit geboten hatte, konnte sich Gorbach als Integrationsfigur etablieren. Er "konnte" sowohl mit dem Haupt-, als auch mit dem Haider-Lager. Auch zur ÖVP hat und hatte er stets ausgezeichnete Kontakte. So soll die Koalition künftig auch wieder von zwei Spitzenvertretern nach außen vertreten werden: von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und von Vizekanzler Gorbach. Die Zeit der getrennten Pressefoyers nach dem Ministerrat ist damit vorbei.

In den siebeneinhalb Monaten seiner bisherigen Regierungsarbeit war Gorbach mit schwierigen Materien konfrontiert: der - von seinen Vorgängern als Verkehrsminister geerbte - Murks mit der Verlängerung des Transit-Vertrages auf EU-Ebene und die umstrittene ÖBB-Reform, bei der sein Staatssekretär Helmut Kukacka (V) keine glückliche Hand gezeigt hat, und Gorbach sich als Krisenmanager zu profilieren versucht.

Seit Mai 1992 - bis zu seinem Wechsel nach Wien - stand Gorbach als Landesparteiobmann der FPÖ in Vorarlberg vor, im Jahr darauf zog er in die Landesregierung ein. Seine Lebensplanung (Gorbach war Geschäftsführer einer Bäckereimaschinenfirma) sah damals allerdings anders aus. Der Wechsel seines Vorgängers Hans-Dieter Grabher auf den Sessel des Lustenauer Bürgermeisters brachte diese aber durcheinander. Politisch freispielen konnte sich Gorbach allerdings erst, als sich der damalige Klubobmann und Scharfmacher Ewald Stadler in Richtung Nationalrat verabschiedete.

1993 wurde er Landesrat für Straßenbau und Wasserwirtschaft. Unter seiner Leitung gelang es der FPÖ 1994, im Ländle zweitstärkste Partei zu werden. Nach dem Verlust der absoluten Mehrheit der ÖVP 1999 wurde er Landesstatthalter, also Vize-Landeshauptmann. Unter Susanne Riess-Passer war Gorbach Vizeparteichef.

Hubert Gorbach wurde am 27. Juli 1956 in Frastanz bei Feldkirch geboren. Er ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Hubert Gorbach

Share if you care.