Bei Austria brennt der Hut

20. Oktober 2003, 12:21
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Nach desolater Vorstellung gegen den GAK wird es personelle Konsequenzen geben - Paul Scharners Zeit beim Meister ist bereits abgelaufen

Wien - Die Besucher im Horr-Stadion schüttelten die Köpfe, pfiffen, taten ihren Unmut nach der 0:1-Niederlage mit Gesängen lautstark und auf Transparenten visuell deutlich kund. Der violette Gönner Frank Stronach hielt sich nach der schwachen Vorstellung seiner Truppe, die die erste Heimniederlage in der T-Mobile-Bundesliga erlitt und jetzt drei Spiele sieglos ist, im Gegensatz zu früheren Zeiten zurück. Gegenüber dem Dortmund-Auftritt am vergangenen Mittwoch sprach er diesmal von "keinem guten Spiel" sowie davon, dass man auch nach solchen Spielen wie gegen die Grazer "nicht zornig" sein dürfe. "Wenn Ruhe eingekehrt ist, werden wir alles sachlich analysieren und dann weiterplanen," kündigte der Austro-Kanadier an.

Zur Pause hatte der Milliardär allerdings durchblicken lassen, dass "wir uns verbessern müssen". Das sei ein laufender Prozess. "Ich weiß, es wird etliche Jahre dauern bis wir dorthin kommen, wo wir hin wollen'", sagte Stronach, ehe er am Dienstag wieder nach Übersee reiste. Das entscheidende Tor durch Kollmann in der neunten Minute stufte er als klaren Torhüter-Fehler von Didulica ein. "Aber jeder kann Fehler machen", beteuerte der Mäzen.

Angeschlagener Löw

Bevor er sich auf den Weg machte, versicherte Stronach, dass "der Trainer zurzeit nicht zur Diskussion" steht. Austrias Vize-Präsident Andreas Rudas, rechte Hand des Big Boss, und Sportdirektor Günter Kronsteiner sendeten ebenfalls Signale in dieser Richtung aus. Obwohl Joachim Löw nach dem jüngsten Misserfolg den Eindruck eines angezählt Boxers vermittelte. "Ich bin maßlos enttäuscht. Einige haben unterirdisch gespielt, waren nicht in der Lage, irgendetwas Positives zu tun", kommentierte der Deutsche mit leiser Stimme.

Das 0:1 kreidete der Daum-Nachfolger nicht allein Didulica, der weiterhin gegenüber Mandl den Vorzug bekommt, an. "Es war auch ein Missverständnis zuvor und ein Fehler von Afolabi", bemängelte Löw, dessen völlig verunsicherte, nervöse Mannen es als Tabellenzweite verabsäumt haben, den Rückstand auf Spitzenreiter Rapid (am Vortag 2:4 in der Südstadt gegen Admira) auf vier Punkte zu reduzieren. Der Schwarzwälder kündigte nach dieser verpassten Chance personelle Konsequenzen an. "Wir befinden uns in einer ganz schwierigen Phase. So können wir den Titel sicher nicht holen."

Personelle Konsequenzen

"Der eine oder andere wird nicht mehr spielen. Bei anderen erhebt sich die Frage, ob es für sie bei der Austria noch eine Zukunft gibt", ließ Löw unmissverständlich durchblicken, freilich ohne Namen zu nennen. Er überlegt, die Jungen schon jetzt zu forcieren, ohne sie aber in den Himmel zu heben oder zu verheizen. "Der eingewechselte 17-jährige Andreas Schicker hat auf der linken Seite für einige Szenen gesorgt, die zu unseren besten des Spiels zählten", bemerkte Löw, der versprach: "Ich werde kämpfen, um das Schiff auf Vordermann zu bringen."

Kronsteiner, der das 0:1 als "das schlechteste Spiel der Austria" bewertete, stellt sich an die Seite von Löw. Nach so einer Leistung dürfe man nicht zum Alltag übergehen. "Wir werden beinhart diskutieren und dabei auch härtere Worte gebauchen müssen." Dem Trainer attestiert er "fachlich korrekte Arbeit". Das Manko der Austria befände sich in den Köpfen der Spieler, die Mannschaft werde den hoch geschraubten Erwartungen nicht gerecht.

Spezialeinheiten für Scharner

Ein Spieler gehört ab sofort nicht mehr zur violetten Besatzung. Paul Scharner trainiert bis auf weiteres nicht mehr mit der Mannschaft. Er absolviert mit einem eigens für ihn vom Verein abgestellten Trainer Spezialeinheiten. Der Teamkicker hatte sich als Wechselspieler nach der Halbzeit geweigert, auf der rechten Mittelfeldseite zu spielen. "Es war mit dem Trainer ausgemacht, dass mein Platz zentral-defensiv ist. Das ist für mich das Beste, dazu stehe ich", meinte Scharner, der seinen Schritt nicht als Arbeitsverweigerung, sondern als Erinnerung an Löw einstuft.

Ob der violetten Probleme darf sich Ex-Austria-Coach Walter Schachner genüsslich ins Fäustchen lachen. "Austria hat wie immer elf gute Fußballer, aber kein System", meinte er, ohne damit aber die Arbeit seines Kollegen in Frage zu stellen. "Das hat mit Löw nichts zu tun, er hat keine Schuld, wenn die Spieler nichts umsetzen". Seiner erster Sieg als Trainer über die Austria tut ihm auch deshalb besonders gut, weil zuletzt Kritik aufgekommen war. "Ich habe fünf Umstellungen vorgenommen und trotzdem haben wir gezeigt, was mit Kämpfen, Laufen und der Einstellung zum Beruf erreicht werden kann".(APA)

  • Stronach und Einsager Rudas.

    Stronach und Einsager Rudas.

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