Italien, jetzt ganz anders

22. Oktober 2003, 13:36
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Das Land, in dem die Zitronen blühen, in dem aus Schweinen "San Daniele" und aus Rindern "Bistecca Fiorentina" wird, steht kurz davor, seinen Sonderstatus zu verlieren

Auf der Autobahn werde da jetzt sehr viel strenger kontrolliert, sagte man mir, dreißig km/h über der erlaubten Höchstgeschwindigkeit und man sei 360 Euro los, so die erschreckende Nachricht. Vorbei also mit der „Manager-Spur“ auf der Umfahrung von Mailand, auf die man sozusagen nur durfte, wenn das Auto erstens mindestens 170 km/h drauf hatte und zweitens womöglich italienischer Bauart sein musste. Eigenartig. Oder die schlimmen Berichte, die einen aus Turin erreichen, dass der Caffè al banco, also der im Stehen und an der Bar genossene, jetzt eben nicht mehr 1000 oder von mir aus 1.200 Lire koste, sondern einen oder 1,2 Euro. Was einer preislichen Verdoppelung gleichkommt, au weia, wenig lustig.

Aber das ist noch nichts im Vergleich zu dem, was sich da zur Zeit in den italienischen Gaststuben abspielt, nämlich folgendes: Nichtraucher-Zone, komplett und ohne Ausnahme, und nicht nur beinhart kontrolliert, sondern auch beinhart eingehalten. Ich meine, nicht dass es einen stören würde, dass der Gesetzgeber an die Gesundheit der Staatsangehörigen denkt, und noch weniger, dass Italiener beweisen, dass sie Regelungen und Gesetze durchaus auch als verbindlich wahrnehmen können. Aber trotzdem passt das irgendwie nicht zusammen, Italiener, Trattoria und Rauchverbot. Und nicht nur das, man hätte sich nie vorgestellt, dass das einem Gesetzgeber erstens überhaupt einfällt, und dass sich zweitens nur irgendwer daran hält. Woran mag das liegen? Am Euro? An Silvio Berlusconi? Am heißen, trockenen Sommer? Oder daran, wie der eine oder andere mit hoher hysterischer Schnellkraft versehene Antiamerikanist sicher rasch vermuten wird, dass Amerika unsere kulturelle und lebensstilistische Souveränität jetzt schön langsam komplett untergraben hat. Ich glaube, es ist schlicht und ergreifend ein Zeichen der Zeit.

Das mit dem Rauchen in geschlossenen und öffentlich zugänglichen Räumen wird sich ganz einfach in dem Moment aufhören, wo jemand die Möglichkeit hat, sein Recht auf unverpestete Luft gesetzlich einzufordern. Ich meine damit jetzt nicht Gäste, weil die können sich’s ja aussuchen, sondern in der Gastronomie Angestellte. Bei uns wird es aller Wahrscheinlichkeit am längsten dauern, genauso wie ein generelles Alkoholverbot am Steuer in Österreich ja auch nie durchzusetzen wäre, das traut sich kein Politiker. Dennoch wird es auch in Österreich passieren, es wird am Anfang ein Geschrei geben, eh klar, und dann wird man sich daran gewöhnt haben. Genauso wie daran, dass man sich bisher sein Essen und seinen Wein volltschicken lassen musste und als Außenseiter und wenig gesellschaftsfähig galt, wenn man fragte, ob zumindest während dem Essen vielleicht auf das Rauchopfer verzichtet werden könnte. Wir werden es erleben.

Von Florian Holzer
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    montage: derstandard.at
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