Proteste gegen hohe Tabaksteuer

24. Oktober 2003, 18:37
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Frankreich: Blockade-Aktionen und Streiks der 35.000 Kioskbesitzer - Grenzüberschreitender Tabak-Tourismus nimmt ständig zu

Paris/Straßburg - Die jüngste Erhöhung der Tabaksteuer hat im Land der Gauloises am Montag massive Proteste ausgelöst: Mehr als vier Fünftel der französischen Kioskbesitzer setzten nach Angaben ihres Verbandes den Verkauf von Zigaretten und anderen Tabakwaren aus. Aufgebrachte Tabakhändler starteten Blockade-Aktionen. Die Erhöhung des Standardpreises für eine Schachtel Zigaretten auf 4,60 Euro wird nach Einschätzung der Tabakhändler den grenzüberschreitenden Tabak-Tourismus verstärken und zu erheblichen Umsatzeinbußen führen.

Nachdem die Tabakpreise bereits im Jänner von der Pariser Regierung angehoben worden waren, trat am Montag eine weitere Erhöhung um rund 20 Prozent in Kraft. Die Regierung will den Tabakkonsum bei Jugendlichen um 30 Prozent und bei Erwachsenen um 20 Prozent drosseln. Nach Überzeugung von Gesundheitsminister Jean-Francois Mattei sind Preiserhöhungen dafür das wirksamste Mittel. Für Jänner ist bereits eine weitere Heraufsetzung um 20 Prozent geplant. Mattei sagte jedoch angesichts der Proteste der Tabakhändler, die abschließende Entscheidung sei noch nicht gefallen.

Blockade-Aktionen

Von den streikenden Kioskbesitzern wurden die Lagerhallen der staatlichen Tabakgesellschaft Altadis in Lognes bei Paris und zwei Zeitungsdruckhäuser in Calais und Amiens blockiert. 250 elsässische Kioskbesitzer und Tabakpflanzer demonstrierten auf der Rheinbrücke zwischen Straßburg und der badischen Grenzstadt Kehl. Sie verteilten Flugblätter an die Autofahrer, ließen den Verkehr aber im Schritttempo die Brücke passieren. Von der Preiserhöhung sind die Kioskbesitzer im Elsass und in Lothringen besonders betroffen, weil immer mehr Franzosen über die Grenze nach Deutschland, Luxemburg oder in die Schweiz fahren, wo Zigaretten nun um bis zu zwei Euro pro Schachtel billiger sind. Noch größer ist der Preisunterschied im Vergleich zu Spanien.

Die Pariser Regierung hat den Händlern im Grenzland zwar eine Erhöhung der Kommission zugesagt, die in Frankreich wegen des Tabakmonopols vom Staat gezahlt wird. Dies reicht den Berufsverbänden zufolge jedoch nicht aus, um ihre Einkommenseinbußen auszugleichen. Die elsässischen Kioskbesitzer machen geltend, ihre Umsätze aus dem Tabakverkauf seien seit Anfang des Jahres um mehr als 30 Prozent zurückgegangen.

Starke jugendliche Raucher

In der Altersgruppe der Zwölf- bis 25-Jährigen rauchen in Frankreich nach neuesten Erhebungen ebenso viele Mädchen wie Jungen. Wie die Tageszeitung "Le Monde" in ihrer Dienstagsausgabe weiter berichtet, ist der Anteil der starken Raucherinnen in dieser Altersgruppe seit den 70er Jahren von zehn auf 26 Prozent gestiegen. Gesundheitsexperten sprechen von einer heraufziehenden "Katastrophe", zumal ein Drittel der Raucherinnen auch während einer Schwangerschaft den Zigarettenkonsum nicht beendet und ebenfalls ein Drittel der Frauen gleichzeitig die Anti-Baby-Pille nimmt und raucht, obwohl damit starke Risiken verbunden sind. (APA)

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    34.000 Tabakläden bleiben am Montag geschlossen - Die Regierung bleibt unbeeindruckt, sie will die Preise weiter erhöhen

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