Arafat: "Stoppt den militärischen Wahnsinn"

22. Oktober 2003, 14:26
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Palästinenser rufen nach israelischen Luftangriffen Staatengemeinschaft zum Einschreiten auf - 13 Tote und rund hundert Verletzte

Gaza/Jerusalem - Die palästinensische Führung hat nach einer Serie israelischer Luftangriffe mit 13 Toten und rund hundert Verletzten in Gaza die internationale Staatengemeinschaft zum Einschreiten aufgefordert. Präsident Yasser Arafat appellierte am Dienstag an das so genannte Nahost-Quartett - USA, UNO, EU und Russland -, "sofort einzugreifen, um den militärischen Wahnsinn zu stoppen". Die israelische Armee kündigte unterdessen an, ihr Vorgehen gegen palästinensische Extremisten fortzusetzen. Die USA haben die israelische Regierung vor "kontraproduktiven Maßnahmen" gewarnt. Washington warnte zugleich vor Reisen nach Israel und in die besetzten Gebiete.

Bei Raketenangriff auf "mutmaßliche Terroristen" wurde Arzt getötet

Israelische Kampfhubschrauber feuerten am Montagabend im Flüchtlingslager Nusseirat drei Raketen auf ein Auto, wie Augenzeugen berichteten. Unter den Toten befand sich nach Berichten von Augenzeugen auch ein Arzt, der Opfer behandeln wollte. Nach israelischen Angaben befanden sich in dem Wagen palästinensische Terroristen. Der israelische Fernsehsender Kanal 10 berichtete dagegen, bei keinem der Getöteten handle es sich um einen radikalen Palästinenser. Der Angriff auf das Lager sei "ein Fehler" gewesen. Tausende Palästinenser sind am Dienstag zu einem Massenbegräbnis zusammengekommen.

Bombardement war Reaktion auf Tötung dreier israelischer Soldaten

Mit den Bombardements reagierte Israel auf einen Zwischenfall, bei dem Palästinenser bei Ofra im Westjordanland drei israelische Soldaten erschossen hatten. Die Al-Aksa-Märtyrerbrigaden, die aus radikalen Fatah-Elementen zusammengesetzt sind, hatten sich zu dem Angriff bekannt. Es sei eine Vergeltungsaktion für den israelischen Militäreinsatz in Rafah im Süden des Gaza-Streifens gewesen, bei dem in den vergangenen zehn Tagen mehr als ein Dutzend Palästinenser getötet wurden.

Palästinensischer Kabinettsminister: "Massaker"

Arafats Sicherheitsberater Oberst Jibril Rajoub sagte in Ramallah: "Die Israelis müssen erkennen, dass ihnen ihre Aggression gegen die Palästinenser nur Leid, Blut und weniger Sicherheit bringt." Ministerpräsident Ahmed Korei (Abu Ala) erklärte, die militärischen Angriffe seien inakzeptabel und würden alle Versuche untergraben, zu einem Waffenstillstand zu kommen. Kabinettsminister Saeb Erekat nannte die israelischen Angriffe ein "Massaker". Er habe die Verantwortlichen der US-Regierung, der EU, der UNO und verschiedener Länder aufgefordert, einzugreifen und das palästinensische Volk zu schützen, "indem sie der blutigen und gefährlichen Eskalation unverzüglich ein Ende setzen", sagte Erekat in Gaza.

Sharon: Roadmap "einzige Hoffnung" auf Frieden

Israels Ministerpräsident Ariel Sharon sagte am Dienstag vor der Knesset, der Friedens-Fahrplan (Roadmap) des Nahost-Quartetts sei "die einzige Hoffnung, den Frieden zu erreichen". Das größte Hindernis für den Frieden in der Region sei nach wie vor Arafat. Der Regierungschef bekräftigte, der Bau der israelischen Sperranlagen im Westjordanland solle beschleunigt werden. Am Dienstag wurde eine Abstimmung der UNO-Vollversammlung über zwei Resolutionsentwürfe erwartet. Darin sollte die Sperrmauer, die Israel derzeit im Westjordanland baut, verurteilt und der Internationale Gerichtshof aufgefordert werden, festzustellen, ob Israel die Bauarbeiten einstellen müsse.

Der israelische Außenminister Silvan Shalom wird am morgigen Mittwoch in Berlin mit dem deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder und Außenminister Joschka Fischer zusammentreffen. Die deutsche Regierung beansprucht für die Europäische Union eine wichtige Rolle bei der Kontrolle der Roadmap-Umsetzung. Israel besteht aber darauf, dass diese ausschließlich von den USA und nicht vom gesamten Quartett überwacht wird. Israel hatte insgesamt 14 Vorbehalte gegen die Roadmap erhoben. Der Fahrplan soll bis 2005 zu einem unabhängigen palästinensischen Staat führen und verpflichtet Israel zum Siedlungsstopp in den besetzten Gebieten. (APA/Reuters/AP)

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