Tröstliches Licht

22. Oktober 2003, 19:20
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"Il ritorno del figlio prodigio - Umiliati" von Danièle Huillet und Jean-Marie Straub

Vor zwei Jahren verschönerte Danièle Huillets und Jean-Marie Straubs Meisterwerk Operai, contadini (2001) die Viennale - dieses Jahr läuft Il ritorno del figlio prodigio - Umiliati (2003), eine Rückkehr zu den Wäldern um Buti wie zum literarischen Werk von Elio Vittorini, zu den Personen und Orten von dessen Roman Le donne di Messina und dem Material von Operai, contadini.

Und zwar buchstäblich: Il ritorno del figlio prodigio - Umiliati beginnt mit Szenen aus Operai, contadini - Abgeschlossenes wird neu eröffnet; was im ersten Film ein utopisches Finale ist, wird hier zum Beginn von etwas Neuem. Die Utopie funktioniert als Hoffnung, als Endpunkt - ist sie erreicht, die Realität transformiert, so ist sie auch wieder nur ein Zustand, der den Veränderungen unterliegt, dem Lauf der Dinge ausgesetzt ist.

Hier in Form eines Büttels, der bei den Dörflern/Kommunarden auftaucht, ihnen ein Wissen um die Besitzverhältnisse aufoktroyiert und sie, ein erstes Mal gedemütigt, von ihrem Traum erwacht, zurücklässt. Dann kommen drei Jäger, ehemalige Partisanen, die einen - gerade erst in die junge Gemeinschaft der Gleichen integrierten - ehemaligen Faschisten suchen und nicht finden und die Dorfbewohner aus Langeweile, vielleicht auch aus Boshaftigkeit mit der Theorie des Arbeitswertes konfrontieren, sie so ein weiteres Mal demütigen und dann den Ort verlassen.

Der Film endet in konsternierter Verzweiflung. Man könnte sagen: Huillet und Straub treten ihrem früheren Werk die Füße weg - aber richtiger ist wohl: Sie stellen die Dinge auf die Füße, wieder. Operai, contadini ist ein Kopfstand, der Versuch, die Dinge anders betrachten zu können. "Soll nicht sein", scheint Il ritorno del figlio prodigio - Umiliati zu sagen, ohne das rechthaberisch zu meinen - es ist nur so, dass Huillet und Straub konsequent sind.

Und dabei sprechen sie von den Dingen, die bleiben: den Bäumen, dem Wind in den Blättern wie dem Spiel des Lichts auf ihnen, überhaupt vom Licht, dessen Dasein allein etwas Tröstliches hat, wie die Farben, die es werden lässt und die den Film zum Leuchten bringen. (DER STANDARD, Printausgabe, 21.10.2003)

Von Olaf Möller

21.10., Gartenbau, 13.00

22.10., Metro, 18.30

  • Artikelbild
    foto: viennale
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