Altsein hat Zukunft

24. Oktober 2003, 00:53
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In Zeiten des Abbruchs von Verhandlungen, des Blätterfallens im Wald, der täglichen Rücktrittserklärung an den Finanzminister (wenn schon nicht von ihm) und ähnlicher zeitgenössischer Vergänglichkeiten ist es beruhigend zu wissen, dass Joan Holender (68) mindestens bis 2010 Direktor der Wiener Staatsoper bleibt. Er hat das Haus auf hohem Niveau ins 21. Jahrhundert geführt, heißt es. Wenn er so weitertut wie bisher, müsste er auch noch das 22. Jahrhundert packen. Die Oper ist ja an sich zeitlos, das Publikum geduldig. Und im Jahr 2050 werden ohnehin eine Million Österreicher älter als 80 Jahre sein.

Erst vor einigen Wochen war Altbürgermeister Helmut Zilk (76) wiederentdeckt und für das Bundesheer requiriert worden. Mithilfe von Karl Schranz (65) wird er das Militär reformieren. Gerüchte, wonach Österreich beim nächsten Songcontest endlich wieder von Udo Jürgens (68) vertreten wird, sind noch unbestätigt.

Das große Vorbild für die Würde des Alterns im Amt, Karol Wojtyla (83), hat ja soeben seinen 25er überstanden. Wenn der Trend anhält, brauchen wir unsere reifen Jahre nicht zu fürchten. Nur der Weg dorthin wird mühsam. Denn den Alten gehört offenbar jene Zukunft, die den Jungen fehlt.
(Der Standard, Printausgabe 20.10.2003)

Von Daniel Glattauer
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