"Forschung ist nicht die Eisenbahn"

26. Oktober 2003, 19:14
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Forschungsnetzwerke sollen Österreich ein Stück des östlichen Kuchens sichern

Österreich als Drehscheibe, als Portal der osteuropäischen Länder in den Westen: "Das sollte man realistisch sehen", meint Otto Petrovic, Leiter des Kompetenzzentrums Evolaris und Professor an der Uni Graz: "Die guten Forschungseinrichtungen in Slowenien oder Kroatien brauchen Österreich überhaupt nicht." Forschung verlaufe nicht wie die Eisenbahn - "sondern ist hochgradig internationalisiert".

Umgekehrt aber könnte Österreich von einer stärkeren Vernetzung profitieren. "Es geht um den Aufbau einer strategischen Achse", sagt Georg Panholzer vom Wirtschaftsministerium - "um am dortigen Wachstum mitpartizipieren zu können". Ganz allgemein sei Österreich relativ gut vernetzt, meint Panholzer. Doch gerade im Bereich der angewandten Forschung gebe es noch einiges zu tun. Mit zwölf - über das Programm Strapamo (Strategische F&T-Partnerschaften mit Mittel-und Osteuropa) - geförderten Projekten soll hier das Potenzial von Ost-West-Kooperationen ausgelotet werden. Wobei sich die eingereichten Projekte auf Österreichs Nachbarländer konzentrieren. Eine leichte Enttäuschung, gibt Panhauser zu, man habe sich breitere Streuung erhofft. Doch spiegle sich da eben das übliche Kooperationsmuster wider: Stark verbunden ist Österreich mit Slowenien, Ungarn und der Slowakei.

Balkan im Abseits

Deutlich weniger Kontakte gibt es hingegen mit dem baltischen Raum, Bulgarien, Rumänien und dem Balkan. Dabei spiele die Entfernung eine große Rolle, sagt Herbert Wotke vom Forschungsförderungsfonds für die gewerbliche Wirtschaft (FFF). Und während manche osteuropäischen Länder Gas geben, liegt die Forschungsförderung in anderen noch im Argen: Bosniens Forschungsquote beträgt etwa 0,05 Prozent des BIP, sagt Panholzer.

Langfristig seien aber auch diese Länder interessant: "Forschungskooperationen sind immer auch ein Mittel zum Aufbau der Wirtschaft." Interessante Märkte und Forschungsschwerpunkte ortet Panholzer in den Bereichen "Erneuerbare Energie", Medizinforschung, den Materialwissenschaften oder - beispielsweise mit Rumänien oder Bulgarien - in der Informationstechnologie. Doch ob sich der "Vernetzungsaufwand auszahlt, muss man sich immer von Einzelfall zu Einzelfall anschauen", betont Wotke vom FFF.

Teilweise fehle noch die "Topografie der Forschung und der Märkte dort", sagt Manfred Hackl vom Electronic Commerce Competence Center (ec3). Er leitet das Samba-Projekt, über das sich österreichische Unternehmen im Bereich Mobile Business mit slowakischen vernetzen. Wichtig sei die Potenzialanalyse, sagt Hackl. "Derzeit gehört es zu den Risiken der Zusammenarbeit mit osteuropäischen Zentren, dass man weniger Kontakte und Erfahrungswerte hat." Zudem sei die Forschungslandschaft weniger strukturiert, organisiert und vernetzt als in den EU-15.

Bei der Suche nach geeigneten Forschungspartnern hilft das Büro für internationale Forschungs- und Technologiekooperation (BIT). In den BIT-Datenbanken können Interessierte auch selbst suchen und gefunden werden. Auch Banken, Wirtschaftskammern, Technologiezentren und die EU-Datenbanken bieten Infos. Dennoch: "Vor allem kleine Unternehmen tun sich bei den Erstkontakten mit möglichen Partnern schwer", erzählt Petrovic von Evolaris. Ein Evolaris-Projekt, das ab dem Frühjahr 2004 starten soll, soll nun die verschiedenen Daten in einer Metadatenbank zusammenfassen und leichter zugänglich machen.

Köpfe vernetzen

Die persönlichen Kontakte fördern universitäre Netzwerke wie CEEPUS (Central European Exchange Program for University Studies) oder die Grazer Aladin-Initiative (Alpen-Adria-Internet). Bei Aladin tauschen die Unis in Graz, Marburg, Rijeka, Triest und Montenegro Lehrkräfte und Studenten aus - und forschen nebenbei über Telelearning. Hier will man auch ein neues Stipendium ausschreiben, erzählt Petrovic, denn "die beste Vernetzung funktioniert über die Köpfe, über die konkreten Personen". (Heidi Weinhäupl/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20. 10. 2003)

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