Kreativität als neuer Wirtschaftsfaktor

26. Oktober 2003, 19:14
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Wien soll klassisches Kulturimage verbessern

"Wien soll London werden." Diese ehrgeizige Wunschvorstellung konnte man immer wieder in Zusammenhang mit der seit 2001 laufenden Förderinitiative des Wiener Wirtschaftsförderungsfonds (WWFF) im Bereich "Creative Industries" hören. In London sind Unternehmen, die sich an der Schnittstelle zwischen Kunst, Kultur und Wirtschaft angesiedelt haben, bereits der drittgrößte Beschäftigungssektor mit 525.000 Mitarbeitern. Dort stellen die "Creative Industries" den zweitgrößten Jobmotor dar: Jährlich entsteht in London ein Fünftel der neuen Arbeitsplätze.

Um in Wien eine ähnliche Entwicklung einzuleiten, schuf der WWFF vor drei Jahren einen neuen Schwerpunkt in seiner auf Forschung und Technologieentwicklung ausgerichteten Wirtschaftsförderungsschiene Wiennovation. Mit einem Fördervolumen von rund drei Millionen Euro trafen die ersten zwei Ausschreibungen auf großes Interesse: 148 Projekte wurden eingereicht.

Die Erfahrungen daraus führte nun zur Gründung der WWFF-Tochter "Departure", eines Zentrums für Wirtschaft, Kunst und Kultur. Der Aufbau von Netzwerken und die Entwicklung von Leitthemen für kreative Projekte stehen auf der Aufgabenliste von "Departure"-Geschäftsführer Norbert Kettner. "Wir wollen Kunstschaffenden keinesfalls einreden, dass sich all ihr Tun am Markt zu orientieren hätte. Wir nehmen der Kultur auch kein Geld weg", versucht er mögliche Bedenken zu zerstreuen: "Wir arbeiten an einer Neudefinition von Wirtschaftsförderung."

Auch der Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF) lädt unter dem Titel "Science for Creative Industries" Forscher zur Einreichung von grundlagenorientierten Projekten ein, die Wien als Standort der Kreativwirtschaft stärken können.

Die Ausschreibung läuft noch bis 28. November. Dass Wien bald London werden könnte, hält Kettner für einen eher unrealistischen Gedanken. Vielmehr könne Wien sein Image als klassische Kulturmetropole um den "Aspekt der jungen, wilden Kreativität anreichern und daraus - im besten Sinn des Wortes - Kapital schlagen". (ez/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20. 10. 2003)

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