Der Mensch denkt, die Maschine rechnet

26. Oktober 2003, 19:14
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Computergestützte Systeme im Personalmanagement haben Zukunft. Neue IT-Lösungen können nicht nur Zeit und Kosten sparen. Während die EDV aus der klassischen Personalplanung nicht mehr wegzudenken ist, werden IT-Systeme zur Bewerberauswahl und Weiterbildung erst zögerlich eingesetzt

Optimierte Personaleinsatzpläne entlasten die Planungsverantwortlichen von administrativen Tätigkeiten. "Personalmanager können sich stärker ihren wesentlichen Aufgaben widmen", sagt Ute Tat, Bereichsleiterin für optimierte Personaleinsatzplanung bei der ITH in Innsbruck.

Die Spezialisten für IT-Systeme im Gesundheitswesen haben mit PepS2 einen wahren Rechenkünstler entwickelt. Das System liefert nicht nur funktionierende Dienstpläne für Kliniken, sondern auch solche, die Wünsche der Mitarbeiter berücksichtigen und von ihnen aktiv über Web mitgestaltet werden können. Voraussetzung für die praxisnahe Ausrichtung des Systems war die genaue Istzustandsanalyse zu Beginn des Forschungsprojektes. Ute Tat: "Wir haben via Interviews Aufschluss über die Bedürfnisse der Dienstnehmer und Dienstgeber bekommen."

Das interdisziplinäre Team der ITH griff auf das Know-how der Planungsverantwortlichen zurück. Projektleiterin Ute Tat konnte zudem ihre eigenen Erfahrungen als frühere Personalleiterin eines Pflegebetriebes einbringen. "Pläne, die nicht auf die Erfordernisse der direkt Betroffenen eingehen, finden keine Akzeptanz", weiß die Betriebswirtin. Bei der Dienstplanerstellung auf das Können einer Maschine zurückzugreifen heiße noch lange nicht, sich von der künstlichen Intelligenz steuern zu lassen, wendet Ute Tat ein. "Ausschlaggebend ist einzig die menschliche Intelligenz. Der Mensch gibt die Prämissen vor, die Maschine rechnet im Hintergrund."

IT-gestützte Systeme für den Bereich Human-Resource-Management sind ein Wachstumsmarkt. Mit einem jährlichen Zuwachs von 5,6 Prozent rechnet SAP. Der Großanbieter ist mit dem Produkt mySAP HR auf dem Markt. Während IT-Systeme in den klassischen Bereichen der Personalplanung, wie Zeiterfassung, Urlaubsplanung und Lohnbuchhaltung, gängige Werkzeuge sind, besteht bei der Nutzung zu Recruiting, Auswahl, Bildungs- und Wissensmanagement noch Skepsis. "Optimierungsbedarf" bei Management und Systemen ortet die Berliner Beratungsfirma eHR-Check in einer Studie.

So werden neue Instrumente wie Employee Self Service zwar befürwortet, die selbstständige Abwicklung von Zeiterfassung, Urlaubsplanung wird den Mitarbeitern in der Praxis aber nur selten ermöglicht.

Stiefmütterlich

E-Learning wird nur in zehn Prozent der untersuchten Unternehmen angeboten. Human-Resource-Management "stiefmütterlich" zu behandeln könne teuer zu stehen kommen, warnen Marcus Thiele und Stephan Siehl von eHR-Check.

Denn bei den in Basel II vorgeschriebenen Unternehmensratings werden auch Humankapital, Mitarbeiterkompetenz, Fluktuation und Personalmanagement bewertet. Schlechtes Human-Resource-Management könne dann zu höheren Kreditkosten oder gar Nichtgewährung führen.

Paul Brandl, Abteilungsleiter Personalauswahl und -entwicklung im Magistrat der Stadt Linz, muss sich vor Ratings nicht fürchten. Brandl setzt HR-Module von SAP ein: "Unser Dienstpostenplan ist IT-unterstützt, die Seminarverwaltung ebenso, über Intranet wird eine Jobbörse angeboten."

Wichtiger ist dem HR-Spezialisten die Schlussfolgerung aus dem gelieferten Datenmaterial: "Habe ich in einer Abteilung hohe Fluktuation, muss ich nach Lösungen suchen." Ebenso gelte es Daten über Krankenstände zu hinterfragen. Brandl: "Eine Antwort können Gesundheitsprogramme sein." In dieselbe Kerbe schlägt Erich Sturmair, Personal- und Organisationsentwickler bei der Voestalpine Stahl in Linz. Erste Erfahrungen mit dem Pilotprojekt IT-gestützte Personalentwicklung haben ihm gezeigt: "Allein die Erfassung von Qualifikationen hat sich schon bewährt, weil wir nun die Leute gezielter einsetzen können." Das neue elektronische Werkzeug ermögliche in Zukunft vor allen Dingen eine wohlüberlegte Personalentwicklungsplanung, ist Sturmair überzeugt. (Jutta Berger/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20. 10. 2003)

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