Harmloser Opernspiegel

15. Jänner 2004, 09:14
posten

Gaetano Donizettis "Don Pasquale" an der Grazer Oper

Graz - Ein altmodischer, von erotisch-idealistischen Frauendarstellungen dominierter Raum, darin Luciano Di Pasquale als in seinem bürgerlichen Ambiente gesichert hausender Don Pasquale. Der Beginn der von der Oper Köln nach Graz exportierten Inszenierung von Gaetano Donizettis Don Pasquale zeigt ein leicht modernisiertes, im Grunde aber konventionelles Bild des alten Junggesellen.

Diese Vorstellung beginnt recht harmlos - und endet auch so. Schuld daran sind die Witzchen, die vom amüsierten Publikum zwar gerne aufgenommen werden, die aber die wesentlichen Elemente dieser Inszenierung verstellen. Denn neben all dem Ulk besitzt der Regieansatz (Inszenierung: Uwe Hergenröder) mit einem das Bühnenbild (Ulrich Schulz) dominierenden Aktbildnis (und Spiegel) ein zentrales und auch tragfähiges dramaturgisches Element.

So wandelt sich etwa das Bild zur real singenden Norina (Margareta Klobucar) oder erschießt sich das Spiegelbild von Ernesto (Andries Cloete). In den besten Momenten laufen die beiden Fäden von Witz und symbolischer Raumtäuschung parallel. So im Tumult am Ende des zweiten Aktes, wo sich das Spiegelbild der Protagonisten zu einem herrlichen, die gesungene Realität verdeutlichenden Tumult verselbstständigt.

Doch zumeist blieben es Gags, die hier über den Abend retteten. Von der musikalischen Seite her betrachtet blieben Fragen offen. Giovanni Pacor legt den Schwerpunkt seines Dirigates aufs Rhythmische. Das gibt zwar Drive, Lyrik oder dramatische Spannungsbögen bleiben aber eher im Hintergrund.

Vielleicht passte sich Pacor aber auch nur seinen Darstellern an, denn sowohl von den darstellerischen als auch von den gesanglichen Momenten her dominierte ein nervös nach vorne stürzender Spielfluss. Als Star dieses Abends kann Margareta Klobucar gelten. Zwar lässt sie Nuancenreichtum vermissen. Ihre klare, helle Stimme und ihr offen präsentiertes Selbstbewusstsein sorgen dennoch für nötigen Pepp. Gelingt es auch Luciano Di Pasquale, seinen Namensvetter glaubhaft zu verkörpern, so setzt sich die Unterdrückung durch Norina auch in der Stimme fort. Zu farblos erklingt sein Timbre.

Ähnlich lässt sich über Alexander Puhrer als Doktor Malatesta sagen. Auch hier klafft die Schere zwischen Spiellust und gesanglicher Präsenz zu weit auseinander. Andries Cloete als Liebhaber geht einen anderen Weg. Bei ihm dominiert Pathos, leider ohne stimmliche Reserven.

Betrachtet man diese Premiere als Ganzes, so lässt sich ein deutlicher Hang zu gepflegtem Provinztheater feststellen. Vom Publikum heftig akklamiert, zeigt sich diese Kölner Produktion als populistisch moderne Inszenierung ohne größere Ambitionen. Ein Blick auf die ohnehin unsichere Zukunft in Graz? (DER STANDARD, Printausgabe vom 20.10.2003)

Von
Robert Spoula
Share if you care.