"Der Anfang vom Ende der Politik"

20. Oktober 2003, 12:28
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Scharfe Formulierungen von Hans Hurch zum Auftakt der Wiener Filmfestwochen

Wien - Eine Überraschung hatte Hans Hurch dem Viennale-Publikum angekündigt, als er vor ein paar Wochen noch keinen Eröffnungsredner für das Festival namentlich nennen konnte. Wer da letztlich doch abgesagt hat, wurde am Freitag bei der großen Auftaktgala der Filmfestwochen nicht bekannt gegeben. Weniger überraschend als mittlerweile schon Usus war jedenfalls eine Rede zur Lage (national wie international), mit der Hurch mittlerweile zum vierten Mal aufs Podium trat.

Wie in den Jahren zuvor versuchte sich der Viennale-Direktor in einer politischen Standortbestimmung. Wieder fand er dabei zu ziemlich klaren Ansagen und scharfen Formulierungen, etwa wenn er den (nicht anwesenden) VP-Kunstsstaatsekretär Franz Morak und dessen Vorgehen in Sachen Diagonale indirekt beschrieb, indem er von einem neuen Politikertypus sprach, der auf inhaltliche Auseinandersetzungen mit der Öffentlichkeit verzichte, weil es ihm nicht um Politik gehe, sondern nur um Machterhalt. Hurch: "Das ist der Anfang vom Ende der Politik." Und: "Diese Leute sind Ausweichkünstler, Artisten der Ausrede, Meister des Totschweigens."

Es war dann aber vielleicht ein klein wenig überzogen, dem Exschauspieler Morak den Derzeit-nicht-Filmstar Arnold Schwarzenegger als Verwandten im Geiste beizustellen und so gewissermaßen in Kalifornien Parallelen zu Österreich recht klobig zu konstruieren. Überhaupt ging die ganze Rede ein bisschen sehr in Richtung Predigt. Ein echtes Highlight an Schärfe, Witz und Knappheit war dagegen das Einleitungsstatement von Viennale-Präsident Eric Pleskow.

Lockruf aus Österreich

Der legendäre, in Wien geborene Produzent beschränkte sich in Sachen Arnie auf ein knappes "Über den reden wir in einem Jahr". Weiters überlegte er ironisch, aufgrund der gegenwärtigen Steuerpolitik des heimischen Finanzministers wieder nach Österreich zurückzukehren. Der Wiener SP-Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny hielt sich ebenfalls (unüblich) kurz: Er verwies lediglich auf Meriten der Stadtregierung bei der Rettung und Renovierung von Wiener Innenstadtkinos.

Die Regisseurin des Eröffnungsfilms Lost in Translation, Sofia Coppola, kündigte Eric Pleskow übrigens mit besonderer Freude an: Mit ihrem Vater Francis Ford Coppola hatte er mehrmals zusammengearbeitet. Und in das Amüsement über die romantische Komödie mischte sich nachher lediglich ein Wermutstropfen: US-Star Bill Murray, der gerade in Italien dreht, hatte schon ernsthaft einen Wien-Trip erwogen, musste dann aber doch absagen.

Nicht abgesagt hat bisher der Star des Viennale-Tributes, Warren Beatty. Und bereits in Wien eingetroffen sind immerhin Stars wie Valeria Bruni-Tedeschi und Jean-Hugues Anglade sowie Viennale-Stammgäste wie Rudolf Thome, Hanns Zischler, Romuald Kamarkar oder Peter Nestler. DER STANDARD wird weiter ausführlich berichten - am Dienstag, 21.10., etwa mit einer weiteren Sonderbeilage, in der ein Interview mit dem diesjährigen Cannes-Gewinner Gus Van Sant (Elephant) nachzulesen sein wird. (cp/DER STANDARD, Printausgabe, 20.10.2003)

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