Mord in deutscher Anwaltskanzlei: Tatverdächtiger plante Brandanschläge

21. Oktober 2003, 10:29
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Ex-Söldner war jahrelang in der rechten Szene tätig - Verfahren wurde vor 25 Jahren eingestellt

München/Overath - Der mutmaßliche Dreifachmörder von Overath hat nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" seine Gewaltkarriere in der linksradikalen Szene begonnen.

1977 sei gegen den heute 45 Jahre alten Ex-Söldner wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung sowie "Verabredung zu Brandanschlägen" ermittelt worden. Das Verfahren sei allerdings 1978 eingestellt worden.

Rückkehr nach Deutschland

Nach seiner Rückkehr aus dem Ausland habe er 1995 seine Kehrtwende zu den Rechtsextremen mit der Unterzeichnung der Pulheimer Erklärung dokumentiert, in der zum Schulterschluss aller deutschen Rechtsaußen aufgerufen wurde, schreibt das Magazin.

Unterdessen hat das nordrhein-westfälische Innenministerium betont, der Verdächtige habe bei seinen früheren Kontakten mit dem Verfassungsschutz kein Honorar für Auskünfte über die rechtsextreme Szene erhalten. Ein Sprecher des Ministeriums erklärte am Samstag, dem 45-Jährigen seien bei den etwa drei Treffen 1996 nur Spesen ersetzt worden. Das Magazin "Focus" berichtet, dass der Ex-Söldner nach eigener früherer Aussage als potenzieller V-Mann insgesamt rund 1.500 Mark (767 Euro) an Informationshonoraren erhalten habe.

Mord in Anwaltskanzlei

Der 45-Jährige steht im Verdacht, am 7. Oktober aus Rache für einen Mietprozess einen Anwalt, dessen Frau und die älteste Tochter erschossen zu haben. Polizei und Staatsanwaltschaft in Köln erklärten, dass es keine Anzeichen für eine Verstrickung des Mannes in weitere Straftaten gebe. Eine vorsorgliche Prüfung des Feuertodes von zwei Menschen 1996 in Bonn habe keine Anhaltspunkte für einen Zusammenhang mit dem Verdächtigen ergeben. Die Behörden gingen im Bonner Fall weiter von einem Unglück aus. (APA/dpa)

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