Der Kanzlerbonus ist dahin

21. Oktober 2003, 11:01
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Laut einer STANDARD-Umfrage würde nur jeder Vierte Schüssel direkt wählen - ÖVP liegt mit 36 zu 43 Prozent weit hinter der SPÖ - mit Grafik

Schüssels Kanzlerbonus ist weg, seine Partei im Dauertief Würde jetzt gewählt, kämen ÖVP und FPÖ gemeinsam auf 43 Prozent - also etwa so viel, wie die ÖVP bei der Wahl im Vorjahr allein hatte. Oder so viel, wie die SPÖ derzeit erreichen könnte. Das geht aus der "market"-Umfrage der Vorwoche hervor.

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Linz - "Die Kanzlerwahl, von der wir im Vorjahr sprechen konnten, würde es so heuer nicht mehr geben - der Kanzlerbonus von Wolfgang Schüssel ist praktisch weg", sagt David Pfarrhofer vom Linzer market-Institut.

Allerdings: Die in der Vorwoche durchgeführte Umfrage zeigt, dass es auch keinen wirklichen Herausforderer für Schüssel gibt. market fragt in Abständen von jeweils mehreren Wochen: "Angenommen, Sie könnten den österreichischen Bundeskanzler direkt wählen. Welche dieser Personen würden Sie persönlich zum Bundeskanzler wählen?"

  • 23 Prozent nannten daraufhin Amtsinhaber Wolfgang Schüssel - er hatte zuletzt im Frühjahr 2002 einen vergleichbar niedrigen Wert. Bei der letzten Umfrage im März 2003, nach Abschluss der schwarz-blauen Koalitionsvereinbarung, waren noch 34 Prozent für Schüssel gewesen. Im Jänner (während der Regierungsverhandlungen) standen sogar 53 Prozent der Österreicher hinter dem durch die Wahlen vom letzten November bestätigten Kanzler.

  • Wieder präsent ist Alexander Van der Bellen, den sich immerhin 18 Prozent als Kanzler wünschen - damit ist der Grünen-Chef wieder auf dem Niveau von vor dem Nationalratswahlkampf. Damals waren die ursprünglich sehr hohen persönlichen Werte Van der Bellens "im Verhältnis zu den ,realistischer' wirkenden Optionen Schüssel und Gusenbauer eingebrochen", wie Pfarrhofer erklärt.

  • Mit 17 Prozent ist Alfred Gusenbauer unter dem Wert vom Frühjahr (20 Prozent).

  • Völlig abgeschlagen ist Herbert Haupt mit vier Prozent.

    Pfarrhofer betont, dass es derzeit überhaupt schwer sei, bekennende FPÖ-Wähler zu finden - derzeit deklarieren sich nur fünf Prozent der Befragten als Freiheitliche, in der Hochrechnung kommt die FPÖ auf sieben Prozent.

    Diese Einschätzung deckt sich mit der in der Vorwoche veröffentlichten IMAS-Umfrage für die Kronen Zeitung - für die anderen Parteien kommt market aber zu massiv anderen Ergebnissen als IMAS:

  • Die SPÖ führt mit 43 Prozent die market-Tabelle an - und das seit 18 Wochen. IMAS sieht die SPÖ dagegen nur bei 39 Prozent.
  • Die ÖVP kommt laut market auf 36 Prozent - IMAS sieht die Kanzlerpartei dagegen gleichauf mit der SPÖ bei 39.
  • Relativ klar ist, dass die Grünen derzeit auf dem dritten Platz vor der FPÖ liegen, mit 13 (market) beziehungsweise 14 (IMAS) Prozent. (Conrad Seidl, DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 20.10.2003)
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      Derzeit keine Chance auf "Kanzlerwahl" für Wolfgang Schlüssel

    • Parteipräferenzen in der Sonntagsfrage
      grafik: standard

      Parteipräferenzen in der Sonntagsfrage

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