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20. Oktober 2003, 16:14
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Frankfurt - Der Insolvenzverwalter der überschuldeten Ferienfluggesellschaft Aero Lloyd will deren Hauptgesellschafterin BayernLB offenbar doch noch für eine Rettung des Unternehmens gewinnen. Die Österreich-Tochter der deutschen Airline ist von der Insolvenz der Mutter indes nicht betroffen und will den Flugbetrieb demnächst wieder aufnehmen.

Bestehende Aufträge durch andere Airlines erfüllt

Die anstehenden Aufträge würden derzeit mit Kapazitäten anderer Airlines erfüllt, hieß es bei Aero Lloyd auf APA-Anfrage. Die Österreich-Tochter des deutschen Ferienfliegers, der am 16. Oktober Insolvenz angemeldet hatte, gehört zu 51,25 Prozent dem Satel-Filmproduzenten Michael Wolkenstein, 48,75 Prozent stehen in Besitz der deutschen Aero Lloyd. In Österreich beschäftigt Aero Lloyd rund 100 Mitarbeiter. "Wir hoffen nicht, dass es hier zu einem Personalabbau kommen wird", hieß es heute aus der Zentrale.

Die im Jänner 2003 gegründete Aero Lloyd Austria hat am 1. Mai 2003 offiziell den Betrieb aufgenommen und damit das bereits bestehende Österreich-Geschäft des deutschen Ferienfliegers übernommen. Im Vorjahr transportierte Aero Lloyd 650.000 Passagiere von und nach Österreich, für heuer war eine Steigerung auf 800.000 geplant. Der Passagierausfall auf Grund der Insolvenz in der vergangenen Woche habe die Jahresplanung bisher nicht durcheinandergebracht, allerdings sei ein Imageschaden "zweifellos da", so Schubert. Aero Lloyd fliegt aus Österreich Ziele in Griechenland, der Türkei, Ägypten und Spanien an.

Flugbetrieb wieder rasch aufnehmen

Der akute Finanzbedarf stehe nach einer ersten Durchsicht fest, darüber wolle er gerade mit der Bayerischen Landesbank reden, teilte der vorläufige Insolvenzverwalter Gerhard Walter am Montag unmittelbar vor den Gesprächen mit der Landesbank mit. Ziel sei es, den Flugbetrieb rasch zumindest teilweise wieder aufzunehmen und langfristig möglichst viele der 1.400 Arbeitsplätze zu erhalten. Am Mittwoch solle eine Mitarbeiterversammlung stattfinden.

Unterdessen reisten am Montag Mitarbeiter von Aero Lloyd zu einer Demonstration vor dem Sitz der BayernLB in München. In offenen Briefen hatten Belegschaftsvertreter am Wochenende der BayernLB bereits Willkür und Bruch von Vertragszusagen vorgeworfen.

Die Bank hatte am Mittwoch den Geldhahn zugedreht und damit den Sanierungsplan scheitern lassen. Darauf stellte Aero Lloyd den Flugbetrieb mit 21 Maschinen in Deutschland und Österreich vorerst ein. Das Unternehmen hatte den akuten Finanzbedarf am Wochenende mit 23 Mio. Euro beziffert.

Die Rettungsbemühungen müssen nach Einschätzung von Branchenexperten schnell Erfolg haben. "Ansonsten hat Aero Lloyd keine Chance", sagte ein Touristikmanager eines Veranstalters. Die großen Reisekonzerne planen nach offiziellen Angaben zunächst nur für die nächsten Tage und Wochen nach eigenen Angaben ohne Aero Lloyd. Aus Branchenkreisen verlautete jedoch, dass alle großen Konzerns bereits an Alternativkonzepten arbeiteten, um die zur Wintersaison 2003/2004 ursprünglich an Aero Lloyd vergebenen Flugkapazitäten anderweitig zu abzudecken. "Hier glaubt keiner mehr daran, dass Aero Lloyd wieder in die Luft geht", sagte ein Mitarbeiter eines großen Veranstalters.

Marktführer TUI hat nach den Worten von Konzernsprecher Mario Köpers sich zumindest bei der spanischen Airline Futura International zwei zusätzliche Maschinen gesichert. "Wir haben auch noch weitere Kapazitäten in der Hinterhand", sagte Köpers. Im Falle der Rückkehr von Aero Lloyd sei allerdings auch eine Zusammenarbeit wieder möglich, fügte er hinzu.

Auch beim zweitgrößten Reisekonzern Thomas Cook hieß es, zunächst werde nur kurzfristig nach Ersatz gesucht. Das Management beider Konzerne, die selbst eigene große Ferienfluggesellschaften betreiben, hat allerdings bereits signalisiert, angesichts der Überkapazitäten in der Luftfahrt sei ein Aus für Aero Lloyd eine sinnvolle Marktbereinigung.

Insolvenzverwalter Walter kann nach Angaben aus Branchenkreisen allerdings gewissen Druck auf die bayerische Landesbank machen. Die BayernLB muss nach Einschätzung aus Reise- und Bankenkreisen im Falle einer Aero-Lloyd-Pleite mit höheren Belastungen rechnen als bisher von ihr selbst kalkuliert. Der Gesamtschaden könne sich auf mehr als eine halbe Mrd. Euro summieren, hieß es. Normalerweise bedeute die so genannte "Durchgriffshaftung", dass der Hauptgesellschafter hierfür mit aufkommen müsse. Die Bank selbst hatte das Risiko auf "deutliche weniger" als 250 Mio. Euro beziffert.

Der von der BayernLB vorige Woche abgelehnte Sanierungsplan sah nach Angaben aus Unternehmens- und Bankenkreisen neben dem Überbrückungskredit von 23 Mio. Euro eine Kapitalerhöhung bei Aero Lloyd um 35 Mio. Euro vor. Die Airline ist diesen Angaben zufolge mit rund 100 Mio. Euro verschuldet. Der im Auftrag der BayernLB erstellte Sanierungsplan sah binnen drei Jahren schwarze Zahlen für Aero Lloyd vor. (APA/Reuters)

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Aero Lloyd

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    Passagiere sollen ohne Mehrkosten auf Ersatzflieger ausweichen können

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