Nordirland: Neue Hoffnung im Friedensprozess

20. Oktober 2003, 17:45
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Entgegenkommen des Protestantenführer David Trimble für katholische IRA bringt neue Bewegung in blockierte Gespräche

Belfast/London - In den seit Monaten blockierten Friedensprozess von Nordirland kommt Bewegung. Protestantenführer David Trimble kam der katholischen Terrororganisation IRA am Wochenende entgegen. Nach Informationen des "Sunday Telegraph" will der britische Premierminister Tony Blair noch in dieser Woche einen Termin für die seit langem verschobene nordirische Regionalwahl festlegen. Zuvor werde die IRA eine bedeutende Entwaffnungsgeste erbringen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Regierungsquellen.

Trimble hatte seine bisherigen Forderungen an die IRA am Samstag abgeschwächt. Anders als bisher verlangte er nicht mehr ihre sofortige und vollständige Entwaffnung als Bedingung für eine neue Zusammenarbeit mit ihrem politischen Flügel Sinn Fein. Allerdings müsse die IRA der Gewalt unmissverständlich abschwören, sagte der Friedensnobelpreisträger bei einem Parteitag seiner Ulster Unionist Party (UUP) in Armagh. "Die Republikaner (IRA- und Sinn-Fein- Mitglieder) wissen, was zu tun ist."

Kritik

Trimbles parteiinterner Gegner Jeffrey Donaldson, der Sprecher der Hardliner, kritisierte die Äußerungen. "Es ist klar, dass er unsere Forderung nach einer Entwaffnung (der IRA) verwässert." Der Sinn- Fein-Vorsitzende Mitchel McLaughlin dagegen zeigte sich erfreut und sagte: "Lasst uns jetzt, da wir den Krieg auf unseren Straßen beendet haben, die Hinterlassenschaften dieses Konfliktes aufräumen."

Druck auf Blair

Blair und der irische Ministerpräsident Bertie Ahern haben in den vergangenen Wochen starken Druck auf die Konfliktparteien ausgeübt. Sie fordern von der IRA, dass sie ihren bewaffneten Kampf dauerhaft für beendet erklärt und die Abgabe ihres gesamten Waffenarsenals zusagt. Im Gegenzug erwarten sie von Trimble, dass dieser in der nordirischen Regionalregierung wieder mit Sinn Fein zusammenarbeitet. Dann könnte Nordirland seine Autonomie zurückerhalten und ein neues Regionalparlament wählen. Derzeit wird die Unruheprovinz wieder von London aus verwaltet. (APA/dpa)

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