Bin Laden droht mit neuen Massakern

21. Oktober 2003, 18:59
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Neu aufgetauchtes Video des gesuchten Terrorchefs kündigt neuerliche Anschläge an - US-Regierung sieht sich bestätigt

Doha/Bangkok/Bagdad - In einem vom Fernsehsender Al Jazeera ausgestrahlten Tonband hat angeblich der Terroristenführer Osama bin Laden allen Verbündeten der USA im Irak mit Selbstmordanschlägen gedroht. "Zu gegebener Zeit und an gegebenem Ort" werde Rache geübt an allen Ländern, die sich "an diesem ungerechten Krieg" beteiligten, hieß es in der Botschaft, die der katarische Sender am Samstagabend veröffentlichte. Ausdrücklich nannte die Stimme Großbritannien, Spanien, Australien, Polen, Japan und Italien. US-Präsident George W. Bush sah sich durch die neue Botschaft des Chefs des Terrornetzwerkes El Kaida darin bestätigt, den Kampf gegen den Terrorismus fortzusetzen.

Märtyrer-Operationen

"Wir werden euch weiter bekämpfen und in und außerhalb der USA Märtyrer-Operationen ausführen, bis ihr aufhört, ungerecht zu sein", sagte die Stimme, die Bin Laden zugeschrieben wurde. Auch islamische Länder, die die USA im Irak unterstützten, würden von Angriffen nicht verschont bleiben. "Das betrifft vor allem die Golfstaaten und insbesondere Kuwait, dem Startpunkt des Kreuzzuges" (gegen den Irak). In der "Botschaft an das amerikanische Volk" kündigt die Stimme zudem Selbstmordanschläge "in und außerhalb der USA" an.

Lob für Widerstand

In einer weiteren Tonbandbotschaft "an das moslemische irakische Volk", die unmittelbar nach der ersten ausgestrahlt wurde, lobt angeblich ebenfalls Bin Laden den "heiligen Krieg" der Iraker gegen die US-Besatzungstruppen im Irak. Die USA hätten sich "in den Sümpfen von Tigris und Euphrat festgefahren" und müssten nun um Hilfe aus Ost und West betteln. Die Stimme lobt auch die kurdisch-islamistische Gruppe Ansar el Islam. Die Organisation soll nach US-Angaben enge Verbindungen zu El Kaida haben. Islamische Jugendliche "vor allem in den Nachbarstaaten Iraks und im Jemen" werden aufgefordert, sich dem "Dschihad" gegen die USA und ihre Verbündeten anzuschließen.

Aufzeichnungen müssen erst untersucht werden

Wann die Tonbänder aufgezeichnet wurden, war zunächst unklar. Auf dem zweiten Band nimmt die Stimme jedoch Bezug auf den palästinensischen Regierungschef Mahmud Abbas, der am 6. September zurückgetreten war. Dies deutet darauf hin, dass das Band vor diesem Zeitpunkt aufgezeichnet wurde. Der Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan, kündigte in Bangkok die Untersuchung der Aufnahmen an.

Bush sagte am Sonntag in der thailändischen Hauptstadt, die Drohungen des Terroristenführers seien "eine Botschaft an alle, dass der Krieg gegen den Terror weitergeht". Die freien Nationen müssten "mehr denn je zusammenarbeiten beim Austausch von Geheimdienstinformationen und dem Austrocknen von Finanzquellen". Er werde darüber auch mit den anderen Vertretern auf dem Gipfel des Asien-Pazifik-Forums (APEC) in Bangkok beraten.

Ein Mitglied des irakischen Regierungsrates, Muwaffak Rubai, appellierte an Bin Laden, "den Irak in Frieden zu lassen". Der Terroristenführer solle sich aus den irakischen Angelegenheiten heraushalten, sagte Rubai der Nachrichtenagentur AFP in Bagdad. Nach "drei blutigen Kriegen" wollten die Iraker sich nicht in weitere Kriege hineinziehen lassen.

Mutmaßliche Aufnahmen von Bin Laden wurden öfters ausgestrahlt

Zuletzt hatte Al Jazeera zum zweiten Jahrestag der Anschläge vom 11. September mutmaßliche Aufnahmen von Bin Laden ausgestrahlt, auf denen der El-Kaida-Chef mit neuen Anschlägen drohte. Seit den Terrorattacken in New York und Washington fehlt von ihm jede Spur. Er gilt als Drahtzieher der Flugzeugangriffe mit über 3000 Toten. Von Bin Laden tauchen immer wieder angebliche Video- und Tonbandbotschaften mit neuen Terrordrohungen auf. Die bisherigen Aufnahmen wurden von Experten als authentisch eingestuft.

Sechs Iraker festgenommen

US-Soldaten haben am Samstag nach US-Militärangaben sechs Iraker festgenommen, die unter dem Verdacht stehen, US-Pioniere zur Kampfmittelbeseitigung angegriffen zu haben. Östlich der Ortschaft Baji seien die Pioniere, die mit der Zerstörung von Flugabwehr-Raketen befasst gewesen seien, angegriffen worden, teilte ein US-Offizier mit. Verletzte habe es nicht gegeben. Bei einer anschließenden Razzia seien insgesamt sechs Iraker festgenommen worden. (APA/Reuters)

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