Chronologie: Machtwechsel in Bolivien

20. Oktober 2003, 08:29
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Sanchez de Lozada hatte geplante Erdgas-Exporte als "Geschenk Gottes" bezeichnet - Waren Ursache für Demonstrationen

La Paz - Nach wochenlangen Demonstrationen in Bolivien ist der bisherige Präsident Gonzalo Sanchez de Lozada zurückgetreten. Am Freitagabend wurde sein Stellvertreter Carlos Mesa als neuer Staatschef vereidigt. Im Folgenden eine Chronologie der Ereignisse, die dem Machtwechsel vorausgingen:

2002: Die bolivianische Regierung trifft ein Abkommen mit dem Unternehmen Pacific LNG über den Export von Erdgas in die USA und nach Mexiko. Erwartet werden jährliche Einnahmen in Höhe von vier Milliarden Dollar (3,45 Mrd. Euro).

6. August 2002: Der Geschäftsmann Gonzalo Sanchez de Lozada wird nach einem knappen Wahlsieg für fünf Jahre als bolivianischer Präsident vereidigt. Die Erdgasvorkommen in dem Andenland und der geplante Export seien ein "Geschenk Gottes", sagt der neue Staatschef.

12./13. Februar 2003: Nach Plänen der Regierung für eine Steuererhöhung kommt es landesweit zu blutigen Unruhen. 31 Menschen werden bei Zusammenstößen zwischen aufständischen Polizisten und den Streitkräften getötet.

15. September 2003: Bauern demonstrieren gegen den geplanten Erdgasexport. Sie fordern eine Nutzung der Erdgasvorkommen zum Wohle der Bolivianer.

19. September 2003: Zahlreiche Arbeitergruppen schließen sich den Forderungen an. In mehreren Städten kommt es zu Protestmärschen und Demonstrationen.

20. September 2003: Bei Auseinandersetzungen mit Streitkräften kommen in Warisata, 70 Kilometer von La Paz entfernt, sieben Bauern ums Leben.

25. September 2003: Die größte Gewerkschaft des Landes beteiligt sich an den Demonstrationen und fordert darüber hinaus den Rücktritt von Präsident Sanchez de Lozadas.

29. September 2003: Landesweit starten Demonstrationen für einen Rücktritt Sanchez de Lozadas.

9. bis 12. Oktober 2003: In El Alto kommt es zu blutigen Unruhen.

13./14. Oktober 2003: Die Auseinandersetzungen greifen auf La Paz über. Bisher haben die Unruhen nach Berichten von Menschenrechtsorganisationen mehr als 60 Menschen das Leben gekostet. Die Regierung bestätigt diese Zahlen nicht.

13. Oktober: Sanchez de Lozada kündigt eine Aussetzung der Exportpläne und einen Volksentscheid über das Projekt an. Die Opposition lehnt das Angebot ab. Die Forderungen nach seinem Rücktritt halten an.

17. Oktober 2003: Sanchez de Lozada tritt zurück, Vizepräsident Carlos Mesa übernimmt sein Amt. (APA/AP)

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