Portrait: Neuer Präsident allgemein beliebt

21. Oktober 2003, 15:37
2 Postings

Carlos Mesa: Ein "Saubermann" ohne große politische Erfahrung

La Paz - Im stark polarisierten Krisenland Bolivien ist Carlos Mesa eine der wenigen "öffentlichen Personen", die von links und rechts, von Arm und Reich respektiert werden. Der neue Präsident des südamerikanischen "Armenhauses" ist ein angesehener Journalist, Geschichtswissenschaftler, Medienunternehmer und Schriftsteller. Der 50-jährige Intellektuelle machte erst dieser Tage seinem Image als "Saubermann" alle Ehre, als er nach der brutalen Unterdrückung der Volksproteste der Regierung seine Unterstützung bedingungslos entzog.

"Mesa ist allgemein beliebt", weiß die Journalistin Gloria Carrasco. Sein bis einziger bekannter Nachteil: Er ist politisch sehr unerfahren. Erst 2002 wagte Mesa sich aufs glatte Parkett der Politik. Bevor er die Einladung des konservativen Gonzalo Sánchez de Lozada für die Vizepräsidentschaft annahm, war er auch von linken Kandidaten sondiert und hofiert worden.

"Fahnenträger"

Bei seiner Amtsantrittsrede hatte Sánchez de Lozada im August 2002 betont, er habe Mesa zum "Fahnenträger des Kampfes gegen die Korruption" gewählt. Der Inhaber des 1990 gegründeten Fernsehsenders "Red de Televisión PAT" entzog Lozada erst am vergangenen Montag seine Unterstützung. Schon vorher hatte er aber seine politische Unabhängigkeit unter Beweis gestellt, als er mehrere Entscheidungen des Präsidenten kritisierte.

Mesa präsentierte sich dabei oft als "Antipolitiker". "Die politischen Parteien haben (in Bolivien) zur Machterhaltung ein geschlossenes und korruptes System aufgebaut, das sehr große Teile der Bevölkerung ausschließt", klagte er jüngst. Die bolivianische Gesellschaft fordere Transparenz und Legalität.

Gemäß Verfassung darf Mesa nun die Amtszeit von Lozada bis 2007 erfüllen. Genug Zeit, um jene wenigen Kritiker zum Schweigen zu bringen, die ihm "eine große Redekunst, aber wenige konkrete Taten" vorhalten. Die von den Bauernführer geführte Opposition wird von ihm aber auf jeden Fall die Einrichtung einer Verfassung gebenden Versammlung und die Unterbrechung der Erdgasexporte zu "Schleuderpreisen" fordern. (APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Carlos Mesa Gisbert, neuer Präsident

Share if you care.