Aero Lloyd braucht kurzfristig 23 Millionen Euro

20. Oktober 2003, 14:33
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Insolvenzverwalter hat Arbeit bereits aufgenommen - "Gute Chancen für Weiterbetrieb" - Österreich-Tochter nicht insolvent

Tunis - Die zahlungsunfähige deutsche Ferienfluggesellschaft Aero Lloyd braucht nach eigenen Angaben zum Überleben kurzfristig Finanzmittel in Höhe von 23 Millionen Euro. Der am Freitag bestellte Insolvenzverwalter habe seine Arbeit bereits aufgenommen. "Es geht darum, kurzfristig einen Überbrückungskredit in Höhe von 23 Millionen Euro zu bekommen", sagte eine Aero-LLoyd-Sprecherin am Samstag am Rande der Deutschen Touristik-Jahrestagung. In einem zweiten Schritt werde sich Insolvenzverwalter Gerhard Walter um einen neuen Investor bemühen.

Gespräche für Montag geplant

Ein erstes Gespräch mit der Bayerischen Landesbank als bisheriger Hauptaktionär (66 Prozent) sei für Montag in der Früh geplant, sagte die Sprecherin. Die BayernLB hatte am Mittwoch überraschend den Sanierungsplan für die verschuldete Airline abgelehnt. Daraufhin hatte die vor knapp 24 Jahren gegründete Aero Lloyd in der Nacht auf Donnerstag den Flugbetrieb eingestellt. Seither versuchen Reiseveranstalter die betroffenen Urlauber mit anderen Maschinen zu transportieren. Die Ferienfluggesellschaft beschäftigt 1400 Mitarbeiter. Nach Angaben von Aero Lloyd hat das deutsche Luftfahrt-Bundesamt die Betriebsgenehmigung nicht dauerhaft entzogen, sondern lediglich vorübergehend ausgesetzt.

Rund 100 Millionen Euro Schulden

Nach Angaben aus Unternehmens- und Bankenkreisen sah der Sanierungsplan neben dem kurzfristigen Überbrückungskredit eine Kapitalerhöhung bei Aero Lloyd um 35 Millionen Euro vor. Die Airline ist diesen Angaben zufolge mit rund 100 Millionen Euro verschuldet. Die Sprecherin wollte dies nicht bestätigen. "Zu weiteren Details des Sanierungskonzeptes wollen wir uns derzeit nicht äußern. Aber aus Sicht der Geschäftsführung gibt es gute Chancen für den Weiterbetrieb", fügte sie hinzu. Das deutsche Insolvenzrecht biete dafür gute Möglichkeiten.

Eine der jüngsten Flugflotten

"Wenn es der Aero Lloyd im Rahmen des Insolvenzverfahrens gelingen würde, sich von ihren Altschulden zu befreien, dann hat die Fluggesellschaft absolut eine Zukunft", sagte die Sprecherin. Die Airline verfüge mit ihren 21 Flugzeugen bei einem Durchschnittsalter von gut drei Jahren über eine der jüngsten Flugflotten auf dem deutschen Markt. Ihre Betriebskosten lägen bei lediglich gut vier Cent pro Sitzplatzkilometer. Dies sei ein Spitzenwert vergleichbar mit den Betriebskosten der irischen Billig-Fluglinie Ryanair.

Österreich-Tochter nicht betroffen

Die österreichische Aero Lloyd Austria ist von der Insolvenz des deutschen Ferienfliegers Aero Lloyd nicht betroffen, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Wegen der Mehrheitsbeteiligung privater österreichischer Investoren sei die Aero Lloyd Austria Luftfahrt GmbH weiterhin arbeitsfähig.

Die anstehenden Aufträge würden momentan mit Kapazitäten anderer Airlines erfüllt. Aero Lloyd Austria hatte am 1. Mai 2003 offiziell den Betrieb aufgenommen und das bereits bestehende österreichische Geschäft des deutschen Ferienfliegers übernommen. (APA/Reuters)

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